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Archive for the ‘Culture and War’ Category

Die Schlacht um Jerusalem

The Hebrew seers announce in time
The return of Judah to her prime;
Some Christians deemed it then at hand.
Here was an object: Up and do!
With seed and tillage help renew–
Help reinstate the Holy Land.
Some zealous Jews on alien soil
Who still from Gentile ways recoil,
And loyally maintain the dream,
Salute upon the Paschal day
With Next year in Jerusalem!

Herman Melville, Clarel (Part 1, Canto XVII)

Jerusalem

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Kategorien:Culture and War

In Memoriam Amy Winehouse

Am 23. Juli jährt sich der Todestag von Amy Winehouse zum zweiten Mal. Ein verspäteter Nachruf.

I thought there’d be fireworks
I expected changes
I thought there’d be trumpets
Sweetest soul sensations

Lightning Seeds, Sweetest soul sensations

1.

In Lara Del Rays Video zu ihrem Song „Born to Die“ brennt die prinzessinnenhafte Sängerin mit einem jungen Mann durch, der aussieht wie ein Heroinsüchtiger: hager, mit Tätowierungen auf den nackten Oberarmen, gepiercten Ohrringen und einer undefinierbaren Frisur. Der Sturm zwischen Prinzessin und Junkie endet natürlich tödlich, in einem Verkehrsunfall, untermauert von Lara Del Rays Bekenntnis, sie wären geboren zu sterben. Die Phantasie, die dahinter steckt ist für mich zumindest sehr rätselhaft, aber wegen des großen Erfolgs dieser Popoper scheinbar weit verbreitet. Die magische Anziehungskraft ausgemergelter Heroinaddicts auf so ausnehmend schöne Frauen wie Lara Del Ray und solche, die sich in diesem System imaginärer Repräsentationen wiederfinden, muss jedenfalls groß sein. Ich musste an dieses Video immer wieder denken, als ich letztens die beiden offiziellen Studioalben von Amy Winehouse, „Frank“ und „Back to Black“ zu Hause und auf meinem MP3 Player genauer untersuchte.

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Kategorien:Culture and War

Yusuf Islam und das Problem der Freiheit

Februar 6, 2013 2 Kommentare

„Der freie Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod; und seine Weisheit ist kein Nachsinnen über den Tod, sondern über das Leben.“

Spinoza, Die Ethik  IV Lehrsatz 67

„Be straight. Think right.
But I might die tonight.“

Cat Stevens, But I Might Die Tonight

1.

Im 1971 von Hal Ashby inszenierten Klassiker Harold and Maude geht es um die ungewöhnliche Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Menschen. Harold, ein zutiefst gelangweilter junger Mann aus reichem Haus versucht seine emotional völlig gleichgültige Mutter mit außerordentlich einfallsreich vorgetäuschten Selbstmordversuchen erfolglos zu beeindrucken. Seine Mutter wiederum ist nur damit beschäftigt ihn mit jungen Frauen, die sie für ihn aussucht, zu verkuppeln, die er mit seinen Suizidspektakeln allerdings erfolgreich wieder vertreiben kann. Sein Leben ändert sich, als er Maude trifft, eine höchst agile ältere Frau, die wie er gerne auf Begräbnisse fremder Leute geht, Autos klaut, und ganz nebenbei durch die tätowierte Ziffernkombination auf ihrem Arm als Überlebende der Shoah kenntlich gemacht wird. Maude lehrt Harold seine antiautoritären Impulse nicht bloß passiv als Reaktion auf den Anpassungsdruck seiner Mutter auszuleben, sondern sie in lebensbejahende Selbstbestimmung umzusetzen. Er verliebt sich sogar in sie, doch für Maude sind die gemeinsamen Augenblicke des Glücks nur das Vorspiel für ihren Freitod, mit dem sie Harold in sein eigenes Leben entlässt.

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Leben und Sterben in Abbottabad – Über Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“

„I don‘ t think people believe in the devil. (…) And so therefore they don’t believe in a punishment after they’re dead. So my question was for me what are people really believing? Or better: What are people really fearing?  And that is: physical pain.”

Fritz Lang

„I was surprised to learn women were at the centre of this hunt. And I was sort of surprised that I was surprised.”

Kathryn Bigelow

Ein Mann betritt das Zimmer seines Vorgesetzten, eines hochrangigen CIA Beamten, der gerade in seinem Büro auf einem Teppich kniet und das Mittagsgebet spricht, so wie das hunderte Millionen praktizierende Moslems auch tun. Bevor man als Zuschauer dieses interessante Detail realisiert hat, ein hoher Beamter des amerikanischen Geheimdienstapparates ist praktizierender Moslem,  geht die Handlung bereits weiter, ohne dass nachher jemals wieder darauf Bezug genommen wird.  Es sind kleine Szenen wie diese, die „Zero Dark Thirty“ zu einem großen Film machen, der uns mehr über den inneren Zustand der westlichen Zivilisation erzählen wird, als über einen ominösen Bösewicht, der am Ende des Films erschossen wird. „Zero Dark Thirty“ gliedert sich in drei etwa gleich lange Teile, die formal betrachtet jeder für sich einen eigenen Film ergeben, und den War on Terror aus drei unterschiedlichen Perspektiven schildern, die durch die Hauptfigur zusammen gehalten werden.

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Gesindel, Schmarotzer und Parasiten. Über Volker Pispers

 „Der Kanzler hat gesagt, wir sollen nicht in einen oberflächlichen Antiamerikanismus abgleiten. Aber meiner ist gar nicht oberflächlich. (…) Ich habe auch gar nichts gegen Amerika, es ist ein wunderschönes Land. Das Problem sind die Menschen, die dort leben.“ (Volker Pispers)

„Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste.“ (Karl Kraus)

1.

Vor etwa einem Jahr veröffentlichte ich hier einen Text, in dem ich über eine Auseinandersetzung mit Nietzsche Phänomene wie den Antizionismus und den Antiamerikanismus kritisierte. Das linke Ressentiment, wie ich es nannte, ist die gefühlige Ignoranz des guten Menschen, der sich als mutiger Rebell gegen den Mainstream weiß, obwohl er treffsicher den Opportunismus der Mehrheit reproduziert. Das Ressentiment wie es Nietzsche treffend charakterisiert hat, ist als vermeintlich kritische Geste immer im Einklang mit den populistischen Bedürfnissen seines Publikums, das sich als Masse gerne von der „Masse“ verächtlich abgrenzt. Während sich die realen politischen Institutionen der Linken nach dem Ende der Sowjetunion praktisch aufgelöst haben, leben ihre rhetorischen Formen, ihre Sprache und ihre Codes paradoxerweise als allgemein verfügbare Werkzeuge eines öffentlichen Diskurses fort, der in Dispositiven einer permanenten Krise der Weltwirtschaft die Form einer allgegenwärtigen Empörung annimmt.

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Idioten und Infizierte – 10 Jahre nach 9/11

September 11, 2011 4 Kommentare

Die Vernunft ist ebenso listig als mächtig. Die List besteht überhaupt in der vermittelnden Tätigkeit, welche, indem sie die Objekte ihrer eigenen Natur gemäß aufeinander einwirken und sich aneinander abarbeiten läßt, ohne sich unmittelbar in diesen Prozeß einzumischen, gleichwohl nur ihren Zweck zur Ausführung bringt.

Hegel, Wissenschaft der Logik

Hegels Begriff von der „List der Vernunft“ ist ein häufig verwendeter Topos, der grob gesagt ausdrücken soll, dass sich Vernunft in der Geschichte niemals als eigenständiges Subjekt realisiert, sondern als abstrakte Vermittlung zwischen Prozessen stattfindet, die „ihrer eigenen Natur gemäß aufeinander einwirken“. Vernunft existiert, weil sich Menschen, Diskurse, Prozesse „aneinander abarbeiten“. Wenn also am Ende des Tages etwas Vernünftiges heraus kommt, dann nicht deswegen, weil nur vernünftige Personen oder Strukturen miteinander interagieren, sondern weil auch (oder vor allem) Dumme sich an der Realität, die sie vorfinden abarbeiten müssen und diese Arbeit an sich, so die Annahme Hegels, bereits das Ergebnis teleologisch determiniert. Vernunft, oder die Verwirklichung des Weltgeists, wie Hegel sagen würde, findet ganz kurz gesagt durch die Arbeit von Idioten und Idiotien zu sich. Im Folgenden werden die Anschläge des 11. September als Ausdruck einer „List der Vernunft“ interpretiert, einer Logik der Geschichte, in der sich verschiedene Akteure gegenüber stehen, die mit Vernunft rein gar nichts zu tun haben. Die Arbeit des Begriffs und die damit zusammenhängende Arbeit der Idiotien müsste uns also ermöglichen einige wichtige Fragen an die Ereignisse des 11. September zu stellen, um heraus zu finden wie Idioten und Idiotien zusammen Geschichte machen.

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What’s left behind – Anmerkungen zum linken Ressentiment (1)

Februar 20, 2011 7 Kommentare

Jetzt höre ich erst, was sie so oft schon sagten: „Wir Guten — wir sind die Gerechten“ — was sie verlangen, das heissen sie nicht Vergeltung, sondern „den Triumph der Gerechtigkeit“; was sie hassen, das ist nicht ihr Feind, nein! sie hassen das „Unrecht“, die „Gottlosigkeit“; was sie glauben und hoffen, ist nicht die Hoffnung auf Rache, die Trunkenheit der süssen Rache (— „süsser als Honig“ nannte sie schon Homer), sondern der Sieg Gottes, des gerechten Gottes über die Gottlosen; was ihnen zu lieben auf Erden übrig bleibt, sind nicht ihre Brüder im Hasse, sondern ihre „Brüder in der Liebe“, wie sie sagen, alle Guten und Gerechten auf der Erde.

Nietzsche, Genealogie der Moral  I, 14

Den Psychologen voran in’s Ohr gesagt, gesetzt dass sie Lust haben sollten, das Ressentiment selbst einmal aus der Nähe zu studieren: diese Pflanze blüht jetzt am schönsten unter Anarchisten und Antisemiten,(…)

Nietzsche, Genealogie der Moral  II, 11

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Edward Said und die Saidisten

Eine Rezension von Ibn Warraqs „DEFENDING THE WEST. A Critique of Edward Said’s Orientalism“ (Prometheus Books, 2007) und “VIRGINS? WHAT VIRGINS? And Other Essays” (Prometheus Books, 2010).

Als ich etwa 10 Jahre alt war fiel mir aus der Bibliothek meines Vaters ein Buch in die Hände, das sofort mein Interesse weckte: Karl Heinz Deschners „Kirche des Un-Heils. Argumente um Konsequenzen zu ziehen“, eine 1974 erstmals erschienene Aufsatzsammlung, die meiner naiven Religiosität ein rasches Ende setzte und mir zudem äußerst hilfreiche Munition verschaffte, meine Umgebung mit antiklerikalen Diskussionsangeboten zu nerven.

In fünf kompakten Essays lieferte Deschner einen Querschnitt seiner Arbeit rund um die Geschichte der christlichen Kirchen, ihr Verhältnis zu Krieg, Sexualität und Faschismus, den Opportunismus der Theologen, die Komplizenschaft mit dem Antisemitismus oder die Finanzgebarung vatikanischer Politik. Die intime Kenntnis der christlichen Theologie und ihrer bis in die Antike zurück reichenden Quellen machte Deschner für seine Feinde und Gegner praktisch unangreifbar, weil er jedes Argument mehrfach historisch belegen konnte.

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Slavoj Žižek und die Ideologie des Avatars

Die Ideologie ist eine »Vorstellung« des imaginären Verhältnisses der Individuen zu ihren realen Existenzbedingungen.

Louis Althusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate


Der slowenische Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Žižek, der sich als Lacaninterpret seinen Namen gemacht hat, veröffentlichte im April dieses Jahres im Onlinemagazin In These Times einen Beitrag in dem er den Oscargewinner „The Hurt Locker“ einer kritischen Betrachtung unterzog und mit James Camerons „Avatar“ verglich. Der Text erschien deutsch auf der Plattform www.antikrieg.com, dem Ableger der englischsprachigen Website www.antiwar.com, die sich in ihrer Selbstbeschreibung als Zusammenschluss und Medium von „libertarians, pacifists, leftists, ‚greens‘,and independents alike, as well as many on the Right who agree with our opposition to imperialism“ versteht.

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Lob der Zionisten

August 30, 2010 3 Kommentare

He took the crumbs of the world and he turned it into wealth
Took sickness and disease and he turned it into health

Bob Dylan, Neighborhood Bully

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Als der kleine Rabbi aus der Neturei Karta* davon sprach

Dass es das Los der Juden sein sollte unter fremder

Herrschaft zu leben, der Thora folgend, damit auch

Kein Verbrennungsofen unausgelastet bleiben möge,

Applaudierten die Anwesenden und lachten.

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Als die Zionisten aufhörten dem Thora Gläubigen

Beachtung zu schenken um stattdessen die Waffen

In die Hand zu nehmen, und die Werkzeuge auf die

Wagen zu laden, statt eines Gottes ihrem Verstand

Vertrauend, da hörten die Anwesenden auf zu lachen.

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Die Zionisten nahmen das Land und führten Kriege,

Bauten Kanäle, Straßen, Leitungen und einen Staat

Dem Hass begegnen sie pragmatisch, ihren Feinden

Mit überlegener Feuerkraft: Und weil Israel weiter

Existieren wird, lachen seine Feinde nicht mehr.

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* Die Neturai Karta („Hüter der Stadt“) ist eine extremistische jüdisch-orthodoxe Sekte, die einen israelischen Staat und den Zionismus prinzipiell ablehnt. Der „kleine Rabbi“ ist Moishe Friedmann, ein Wiener Vertreter dieser Gruppe, der bei anti zionistischen Demonstrationen mit der AIK und arabischen Aktivisten auftritt. International berühmt wurde er jedoch, als er sich bei einer Holocaust Leugner Konferenz in Teheran mit Ahmedinejad ablichten ließ und dort zwischen Holocaustleugnern aller Art die Opferzahl der Shoah auf 1 Mio reduzierte. Trotz der Tatsache, dass Gastgeber und Teilnehmer die Realität der Shoah überhaupt bestreiten, wurde sein Vortrag begeistert beklatscht.  Friedmann hielt bei einer Rabbinerkonferenz 2004 (hier veröffentlicht auf der Website der österreichischen palästinensischen Gemeinde) einen Vortrag, in dem er seine eigene Version lieferte, warum die Juden am Holocaust selber schuld sind, und nur sein Thora Gläubiges Judentum Anspruch darauf hat, das Judentum zu repräsentieren. Obwohl die Neturai Karta eine isolierte Splittergruppe darstellt, wird ihre Bedeutung für den islamisch inspirierten Antisemitismus sträflich unterschätzt. Friedmann und seine Kumpane  liefern einen religiös motivierten Antizionismus, der gläubigen Muslimen eine Alternative zu einem nazistischen Rassenantisemitismus bietet und als jüdische Kronzeugenregelung wesentlich besser vermarktbar ist. Ich werde demnächst mehr dazu schreiben.

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