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Die Schlacht um Jerusalem

The Hebrew seers announce in time
The return of Judah to her prime;
Some Christians deemed it then at hand.
Here was an object: Up and do!
With seed and tillage help renew–
Help reinstate the Holy Land.
Some zealous Jews on alien soil
Who still from Gentile ways recoil,
And loyally maintain the dream,
Salute upon the Paschal day
With Next year in Jerusalem!

Herman Melville, Clarel (Part 1, Canto XVII)

Jerusalem

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Kategorien:Culture and War

Die Postmodernisierung des Islam. Über Tariq Ramadans „The Quest For Meaning” (Penguin Books, 2010)

September 18, 2013 1 Kommentar

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Die Karriere des Schweizer Islamwissenschaftlers Tariq Ramadan ist in jeder Hinsicht beeindruckend. Neben einer Vielzahl verkaufter Bücher gastiert der engagierte Intellektuelle an amerikanischen und britischen Eliteuniversitäten, hält Lehrstühle für Zeitgenössische Islamwissenschaft und agiert als Berater und Consultant in unzähligen Gremien, die sich mit interreligiösem Dialog beschäftigen oder ethischen Fragen zur Biotechnologie. Obwohl man über den Wert seiner unmittelbaren akademischen Leistungen geteilter Meinung sein kann, füllt er in der europäischen und amerikanischen Öffentlichkeit eine wichtige Lücke: die des islamischen Intellektuellen, der beide Seiten kennt und sich in beiden Sphären glaubwürdig bewegen kann. Ramadan ist eine Erscheinung der intellektuellen High Society, der mit Staatspräsidenten zu Talk Shows eingeladen wird und öffentliche Diskurse mit bestimmt.

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In Memoriam Amy Winehouse

Am 23. Juli jährt sich der Todestag von Amy Winehouse zum zweiten Mal. Ein verspäteter Nachruf.

I thought there’d be fireworks
I expected changes
I thought there’d be trumpets
Sweetest soul sensations

Lightning Seeds, Sweetest soul sensations

1.

In Lara Del Rays Video zu ihrem Song „Born to Die“ brennt die prinzessinnenhafte Sängerin mit einem jungen Mann durch, der aussieht wie ein Heroinsüchtiger: hager, mit Tätowierungen auf den nackten Oberarmen, gepiercten Ohrringen und einer undefinierbaren Frisur. Der Sturm zwischen Prinzessin und Junkie endet natürlich tödlich, in einem Verkehrsunfall, untermauert von Lara Del Rays Bekenntnis, sie wären geboren zu sterben. Die Phantasie, die dahinter steckt ist für mich zumindest sehr rätselhaft, aber wegen des großen Erfolgs dieser Popoper scheinbar weit verbreitet. Die magische Anziehungskraft ausgemergelter Heroinaddicts auf so ausnehmend schöne Frauen wie Lara Del Ray und solche, die sich in diesem System imaginärer Repräsentationen wiederfinden, muss jedenfalls groß sein. Ich musste an dieses Video immer wieder denken, als ich letztens die beiden offiziellen Studioalben von Amy Winehouse, „Frank“ und „Back to Black“ zu Hause und auf meinem MP3 Player genauer untersuchte.

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Kategorien:Culture and War

Yusuf Islam und das Problem der Freiheit

Februar 6, 2013 2 Kommentare

„Der freie Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod; und seine Weisheit ist kein Nachsinnen über den Tod, sondern über das Leben.“

Spinoza, Die Ethik  IV Lehrsatz 67

„Be straight. Think right.
But I might die tonight.“

Cat Stevens, But I Might Die Tonight

1.

Im 1971 von Hal Ashby inszenierten Klassiker Harold and Maude geht es um die ungewöhnliche Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Menschen. Harold, ein zutiefst gelangweilter junger Mann aus reichem Haus versucht seine emotional völlig gleichgültige Mutter mit außerordentlich einfallsreich vorgetäuschten Selbstmordversuchen erfolglos zu beeindrucken. Seine Mutter wiederum ist nur damit beschäftigt ihn mit jungen Frauen, die sie für ihn aussucht, zu verkuppeln, die er mit seinen Suizidspektakeln allerdings erfolgreich wieder vertreiben kann. Sein Leben ändert sich, als er Maude trifft, eine höchst agile ältere Frau, die wie er gerne auf Begräbnisse fremder Leute geht, Autos klaut, und ganz nebenbei durch die tätowierte Ziffernkombination auf ihrem Arm als Überlebende der Shoah kenntlich gemacht wird. Maude lehrt Harold seine antiautoritären Impulse nicht bloß passiv als Reaktion auf den Anpassungsdruck seiner Mutter auszuleben, sondern sie in lebensbejahende Selbstbestimmung umzusetzen. Er verliebt sich sogar in sie, doch für Maude sind die gemeinsamen Augenblicke des Glücks nur das Vorspiel für ihren Freitod, mit dem sie Harold in sein eigenes Leben entlässt.

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Kategorien:Culture and War

Leben und Sterben in Abbottabad – Über Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“

„I don‘ t think people believe in the devil. (…) And so therefore they don’t believe in a punishment after they’re dead. So my question was for me what are people really believing? Or better: What are people really fearing?  And that is: physical pain.”

Fritz Lang

„I was surprised to learn women were at the centre of this hunt. And I was sort of surprised that I was surprised.”

Kathryn Bigelow

Ein Mann betritt das Zimmer seines Vorgesetzten, eines hochrangigen CIA Beamten, der gerade in seinem Büro auf einem Teppich kniet und das Mittagsgebet spricht, so wie das hunderte Millionen praktizierende Moslems auch tun. Bevor man als Zuschauer dieses interessante Detail realisiert hat, ein hoher Beamter des amerikanischen Geheimdienstapparates ist praktizierender Moslem,  geht die Handlung bereits weiter, ohne dass nachher jemals wieder darauf Bezug genommen wird.  Es sind kleine Szenen wie diese, die „Zero Dark Thirty“ zu einem großen Film machen, der uns mehr über den inneren Zustand der westlichen Zivilisation erzählen wird, als über einen ominösen Bösewicht, der am Ende des Films erschossen wird. „Zero Dark Thirty“ gliedert sich in drei etwa gleich lange Teile, die formal betrachtet jeder für sich einen eigenen Film ergeben, und den War on Terror aus drei unterschiedlichen Perspektiven schildern, die durch die Hauptfigur zusammen gehalten werden.

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Kategorien:Culture and War

On Bullshit – Zur Typologie des Verschwörungstheoretikers

Januar 2, 2013 13 Kommentare

 “Never tell a lie when you can bullshit your way through.”

Eric Ambler, Dirty Story (zitiert nach Frankfurt 2005)

1.

„One of the most salient features of our culture is that there is so much bullshit. “

So beginnt der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt seinen Text „On Bullshit“ aus dem Jahr 2005. Frankfurt ist ein analytischer Philosoph in der Tradition Wittgensteins, dessen wesentlichste Arbeiten sich damit beschäftigen, was Wahrheit ist und wie sie durch korrekte Begriffe und authentische Sprechakte repräsentiert werden kann. Wahrheit, wie sie analytische Philosophie versteht ist demnach ein System, das in erster Linie logisch korrekte Sprechakte möglich macht, die eindeutig als richtige oder falsche Aussagen identifiziert werden können. Analytische Philosophie kennt keine Ebene des Unbewussten, oder lehnt solche Begriffe unumwunden ab, und würde Phänomene, die sich philosophisch nicht unmittelbar in sprachlichen Operationen ausdrücken lassen, nicht als philosophischen Gegenstand anerkennen.  Die internen Grenzen solcher Auffassungen, wenn man sie mit der spekulativen Metaphysik der europäischen Tradition konfrontiert, sollen uns in diesem Beitrag nicht weiter beschäftigen. Frankfurts analytisch präzise Sprache kann uns jedoch dabei helfen, einem Phänomen beizukommen, das sich wie eine Seuche in den Kreisläufen unserer Kultur ausgebreitet hat: Verschwörungstheorien.

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Gesindel, Schmarotzer und Parasiten. Über Volker Pispers

 „Der Kanzler hat gesagt, wir sollen nicht in einen oberflächlichen Antiamerikanismus abgleiten. Aber meiner ist gar nicht oberflächlich. (…) Ich habe auch gar nichts gegen Amerika, es ist ein wunderschönes Land. Das Problem sind die Menschen, die dort leben.“ (Volker Pispers)

„Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste.“ (Karl Kraus)

1.

Vor etwa einem Jahr veröffentlichte ich hier einen Text, in dem ich über eine Auseinandersetzung mit Nietzsche Phänomene wie den Antizionismus und den Antiamerikanismus kritisierte. Das linke Ressentiment, wie ich es nannte, ist die gefühlige Ignoranz des guten Menschen, der sich als mutiger Rebell gegen den Mainstream weiß, obwohl er treffsicher den Opportunismus der Mehrheit reproduziert. Das Ressentiment wie es Nietzsche treffend charakterisiert hat, ist als vermeintlich kritische Geste immer im Einklang mit den populistischen Bedürfnissen seines Publikums, das sich als Masse gerne von der „Masse“ verächtlich abgrenzt. Während sich die realen politischen Institutionen der Linken nach dem Ende der Sowjetunion praktisch aufgelöst haben, leben ihre rhetorischen Formen, ihre Sprache und ihre Codes paradoxerweise als allgemein verfügbare Werkzeuge eines öffentlichen Diskurses fort, der in Dispositiven einer permanenten Krise der Weltwirtschaft die Form einer allgegenwärtigen Empörung annimmt.

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Kategorien:Culture and War

Kimjongilia

North Korea is one of the world’s most isolated nations. For sixty years, North Koreans have been governed by a totalitarian regime that controls all information entering and leaving the country. A cult of personality surrounds its two recent leaders: first, Kim Il Sung, and now his son, Kim Jong Il. For Kim Jong Il’s 46th birthday, a hybrid red begonia named kimjongilia was created, symbolizing wisdom, love, justice, and peace.

So beginnt die Dokumentation „Komjongilia“ der amerikanischen Filmemacherin N.C. Heikin aus dem Jahre 2009. Anlässlich des Todes des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il empfehle ich allen Interessierten sich diesen Film anzusehen. Kompetentere Einschätzungen zum politischen Erbe Kim Jong Ils, als ich sie leisten könnte,  findet man z.B. hier, hier oder hier. Nordkorea ist nach außen derart isoliert, dass selbst anerkannte Experten nicht genau sagen können, ob das Regime tatsächlich in der Hand eines einzelnen Herrschers ist, so wie man sich die Regime Saddam Husseins im Irak oder das Libyen Ghaddafis vorstellen musste oder ob es von einem größeren Gremium kontrolliert wird. Wenn man die völlige Intransparenz nach außen als Indiz nimmt, muss man wohl davon ausgehen, dass Nordkorea von einer kleinen Elite regiert wird, die durch das dynastische System der Kims an der Spitze ungestört im Hintergrund agieren kann.

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Idioten und Infizierte – 10 Jahre nach 9/11

September 11, 2011 4 Kommentare

Die Vernunft ist ebenso listig als mächtig. Die List besteht überhaupt in der vermittelnden Tätigkeit, welche, indem sie die Objekte ihrer eigenen Natur gemäß aufeinander einwirken und sich aneinander abarbeiten läßt, ohne sich unmittelbar in diesen Prozeß einzumischen, gleichwohl nur ihren Zweck zur Ausführung bringt.

Hegel, Wissenschaft der Logik

Hegels Begriff von der „List der Vernunft“ ist ein häufig verwendeter Topos, der grob gesagt ausdrücken soll, dass sich Vernunft in der Geschichte niemals als eigenständiges Subjekt realisiert, sondern als abstrakte Vermittlung zwischen Prozessen stattfindet, die „ihrer eigenen Natur gemäß aufeinander einwirken“. Vernunft existiert, weil sich Menschen, Diskurse, Prozesse „aneinander abarbeiten“. Wenn also am Ende des Tages etwas Vernünftiges heraus kommt, dann nicht deswegen, weil nur vernünftige Personen oder Strukturen miteinander interagieren, sondern weil auch (oder vor allem) Dumme sich an der Realität, die sie vorfinden abarbeiten müssen und diese Arbeit an sich, so die Annahme Hegels, bereits das Ergebnis teleologisch determiniert. Vernunft, oder die Verwirklichung des Weltgeists, wie Hegel sagen würde, findet ganz kurz gesagt durch die Arbeit von Idioten und Idiotien zu sich. Im Folgenden werden die Anschläge des 11. September als Ausdruck einer „List der Vernunft“ interpretiert, einer Logik der Geschichte, in der sich verschiedene Akteure gegenüber stehen, die mit Vernunft rein gar nichts zu tun haben. Die Arbeit des Begriffs und die damit zusammenhängende Arbeit der Idiotien müsste uns also ermöglichen einige wichtige Fragen an die Ereignisse des 11. September zu stellen, um heraus zu finden wie Idioten und Idiotien zusammen Geschichte machen.

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What’s left behind – Anmerkungen zum linken Ressentiment (1)

Februar 20, 2011 7 Kommentare

Jetzt höre ich erst, was sie so oft schon sagten: „Wir Guten — wir sind die Gerechten“ — was sie verlangen, das heissen sie nicht Vergeltung, sondern „den Triumph der Gerechtigkeit“; was sie hassen, das ist nicht ihr Feind, nein! sie hassen das „Unrecht“, die „Gottlosigkeit“; was sie glauben und hoffen, ist nicht die Hoffnung auf Rache, die Trunkenheit der süssen Rache (— „süsser als Honig“ nannte sie schon Homer), sondern der Sieg Gottes, des gerechten Gottes über die Gottlosen; was ihnen zu lieben auf Erden übrig bleibt, sind nicht ihre Brüder im Hasse, sondern ihre „Brüder in der Liebe“, wie sie sagen, alle Guten und Gerechten auf der Erde.

Nietzsche, Genealogie der Moral  I, 14

Den Psychologen voran in’s Ohr gesagt, gesetzt dass sie Lust haben sollten, das Ressentiment selbst einmal aus der Nähe zu studieren: diese Pflanze blüht jetzt am schönsten unter Anarchisten und Antisemiten,(…)

Nietzsche, Genealogie der Moral  II, 11

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Kategorien:Culture and War