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Mission Impossible: Fratzen des intersektionalistischen Antisemitismus

Auf der „Mission Impossible“ des geschätzten Kollegen thinktankboy ist gerade mein Text über das Buch „Israel Denial“ von Cary Nelson erschienen.

Fratzen des intersektionalistischen Antisemitismus

Anmerkungen und Blogposts sind eher dort anzubringen. Viel Vergnügen!

 

Kategorien:Allgemein

Die 10 reaktionärsten Popsongs

März 1, 2020 2 Kommentare

Doch was immer man von Pop sagen und denken mag, bleibt eines niemandem verborgen, selbst wenn es sich schwer in Begriffe fassen lässt: Etwas verändert sich, was weit über die zyklischen Veränderungen, die dynamischsten Crossovers, die unentwegten Verbindungen mit politischen und ökonomischen und technologischen Impulsen hinausgeht.

Georg Seeßlen

In seinem legendären Text „Die Sonnenbrille der Philosophie“ aus dem Jahre 2006 fasst Georg Seeßlen einige seiner grundlegenden Gedanken zum Charakter der Popkultur in dem Satz zusammen: „Pop ist nicht Code, sondern die Veränderung von Codes; nicht Form, sondern die Veränderung von Form. Weil jede konsequente Bewegung zur Selbstaufhebung führt und das Repertoire von Veränderungen limitiert ist, tendiert diese Bewegung dazu, sich kreis- oder spiralförmig zu gestalten.“ Die vielfältigen paradoxen Implikationen dieses einen Satzes (und Seeßlen bemüht sich nach Kräften eine Menge weiterer solcher Sätze zu produzieren) führen dazu, dass sich der Gegenstand Pop jeder Kulturkritik recht umstandslos entledigt. Was Seeßlen die „konsequente Bewegung zur Selbstaufhebung“ nennt, bezieht sich weniger auf Pop als kulturelles Phänomen selbst, sondern viel mehr auf seine journalistische, oder wenn man möchte „kritische“ Aufbereitung für das Publikum. Popjournalismus oder Popkritik ist selbst Pop und nicht Journalismus oder Kritik. Die „Bewegung zur Selbstaufhebung“ führt dazu, dass Pop sehr viel Müll produziert, physisch, psychologisch wie ästhetisch, weil das Telos, das im Hegel’schen Begriff der Aufhebung steckt, also Kunst mit einer Bestimmung zu versehen, die es zum Kunstwerk macht, für die Bewegung selbst aufgegeben wird. Popkultur produziert Kunst und große Kunstwerke, aber nicht weil es das Ziel der Aufhebung ist, sondern als Abfallprodukt der Bewegung an sich, die ständig dazu tendiert sich selbst in Schleifen zu wiederholen. Wenn die Wiederholung zum Telos wird, ist die einzige begriffliche Kategorie Differenz, gedacht als Diversity und Vielheit. Die Differenz ersetzt das Subjekt und die Vielheit das Individuum und bildet so den Spannungsraum der popkulturellen Ästhetik, in der Geschichte nur als Unbewusstes existieren kann.

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Kategorien:Culture and War

Mission Impossible: Ein Nachruf auf Bernard Lewis

Auf dem Blog des geschätzten Kollegen thinktankboy ist ein von mir verfasster Nachruf auf den kürzlich verstorbenen Doyen der Orientwissenschaften, Bernard Lewis erschienen:

Ein Nachruf auf Bernard Lewis

 

 

 

Kategorien:Allgemein

Die Silhouette im Spiegel. Über Mohammed Abed Al-Jabri’s „Kritik der arabischen Vernunft“

März 3, 2018 4 Kommentare

Die Vernunft ist ein Licht, das gewiss die Finsternis erhellen soll, mitunter aber auch am hellichten Tag gebraucht wird.

(Mohammed Abed Al-Jabri)

Für meinen Vater

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1.

Der marokkanische Philosoph und Hochschullehrer Mohammed Abed Al-Jabri (1935–2010) gilt als bedeutendster arabischer Denker der Gegenwart, auch wenn er außerhalb der islamischen Welt kaum bekannt ist. Die 2009 auf Deutsch veröffentlichte und leider viel zu wenig beachtete Einführung (im Folgenden: EINF) in sein Hauptwerk Kritik der arabischen Vernunft, gewährte erstmals einen Einblick in dieses wichtige Buch, das eine rege Debatte im Nahen und Mittleren Osten darüber ausgelöst hat, wie sich die politischen und kulturellen Krisen der arabischen/islamischen Welt positiv verändern ließen. Die Kritik der arabischen Vernunft, die zwischen 1984 und 2001 in vier Bänden in Marokko erschien machte seinen Autor zu einem Mittler zwischen Sunniten und Schiiten, Araber und Persern beziehungsweise Arabern und Türken und als der viel geachtete Literaturprofessor der Universität von Rabat in Marokko 2010 überraschend verstarb hinterließ er eine schwer zu füllende Lücke.[1]

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Kategorien:Culture and War

Mission Impossible: Ein Text zur Frage ob Marx und Engels heute Anti-Imperialisten oder Anti-Deutsche wären.

Auf der „Mission Impossible“ des geschätzten Kollegen thinktankboy ist gerade dieser Text von mir erschienen:

Wären Marx und Engels heute Anti-Imperialisten oder Anti-Deutsche?

Anmerkungen und Blogposts sind eher dort anzubringen. Viel Vergnügen!

 

Kategorien:Allgemein

100 Jahre Oktoberrevolution. Über das geisterhafte Nachleben des Stalinismus

„Warum und wie führte der sowjetische Sozialismus zu Stalin (…)?“

Louis Althusser, Die Krise des Marxismus (1978)

„Beispielsweise scheint mir – um der allerbrennendsten Frage nicht aus dem Weg zu gehen – , dass man auf jede Art der Logik der „Aufhebung“ Verzicht leisten muss oder gar nicht erst das Wort ergreifen darf, wenn man sich fragt, wieso das so großzügige und stolze russische Volk auf einer so breiten Stufenleiter die Verbrechen der Stalinschen Unterdrückung hat ertragen können und wie sogar die bolschewistische Partei sie hat dulden können – ohne bereits von der letzten Frage zu sprechen, nämlich wie es möglich gewesen ist, dass ein kommunistischer Führer sie hat befehlen können.“

Louis Althusser, Widerspruch und Überdeterminierung in: Für Marx (1965)

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Kategorien:History

Mission Impossible: Drei Texte zu Spinoza

Februar 3, 2017 2 Kommentare

Auf dem Blog „Mission Impossible“ meines geschätzten Kollegen thinktankboy sind drei als Einführung zu verstehende Texte von mir über den niederländischen Philosophen Baruch de Spinoza (1632 – 1677) erschienen. Sie müssen zwar nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge gelesen werden, aber es kann auch nicht schaden das zu tun.

Spinozas Religionskritik

Über Spinozas Ethik

Spinoza und das Judentum

Den geneigten Leserinnen und Lesern sei außerdem anempfohlen eventuelle Kommentare auf den jeweiligen Blogeinträgen der Mission Impossible zu veröffentlichen. Ich wünsche jedenfalls viel Vergnügen und freue mich über jedwede Reaktion.

 

 

 

Kategorien:Allgemein

Die islamistische Moderne

Dezember 15, 2016 8 Kommentare

“There is a war between the ones who say there is a war
and the ones who say there isn’t.”

Leonard Cohen, There is a war

1.

Es gehört zu den am häufigsten wiederholten Mythen der neueren Geschichte, dass islamistische Terroristen und die ideologischen Brandstifter, die ihnen vorausgingen eine Abwehrreaktion auf und ein religiös motivierter Krieg gegen den Einbruch der Moderne sein sollen. Islamisten, so wird behauptet, seien davon beseelt die Geschichte zu einem Punkt null im 7. Jahrhundert nach Christus zurück zu drehen, in eine Welt die jeder Form von Aufklärung und Renaissance Humanismus voraus ging. Es erscheint jedoch angesichts eines Phänomens wie dem Islamischen Staat höchst notwendig sich von solch einer Idee zu verabschieden. Man sollte stattdessen versuchen sich die islamistische Ideenwelt als alternative Modernisierung vorzustellen, die sich in Form des Globalen Djihads als politisches Modell realisieren will. Ein starker Grund dies zu tun ist die Tatsache, dass der Islam einen Universalismus propagiert, der sich zwar wesentlich vom europäischen Aufklärungsuniversalismus unterscheidet, aber dennoch einen Anspruch auf globale Gültigkeit hat.

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Kategorien:Culture and War

Nachtrag 2: Bob Dylans Nobel Price Speech

Dezember 12, 2016 2 Kommentare
“Glory is like a circle in the water, 
 Which never ceaseth to enlarge itself 
 Till by broad spreading it disperse to nought.”
Ein Zirkel nur im Wasser ist der Ruhm,
der niemals aufhört, selbst sich zu erweitern,
Bis die Verbreitung ihn in nichts zerstreut.”

William Shakespeare, Henry VI

(Übersetzung von August Wilhelm Schlegel)

 

Die am 10. Dezember gehaltene Zeremonie zu Verleihung des Literatur Nobelpreises 2016 fand zu unser aller Bedauern leider ohne Dylan selbst statt, aber in seiner grenzenlosen Weisheit schickte er Patti Smith als seine Emissärin, die eine wundervolle Interpretation von „A Hard Rain’s A Gonna Fall“ auf die Bühne zauberte. Es sei an dieser Stelle erinnert, dass Patti Smith wohl zu den wenigen Singer/Songwritern gehört, die man gemeinsam mit Bob Dylan in einem Atemzug nennen muss. In einem anderen Universum existiert eine Erde, in der Patti Smith den Nobelpreis bekommt und statt ihrer selbst Bob Dylan nach Stockholm schickt, dessen bin ich mir sicher. Wir verbeugen uns daher in aller Ehrfurcht und mit Tränen in den Augen vor dieser großen Künstlerin, die einem anderen großen Künstler die Ehre erweist.

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Kategorien:Allgemein

Nachtrag: Dylan in Concert

November 1, 2016 2 Kommentare

Nachdem sich Dylan also endlich beim Literaturnobelpreis Komitee gemeldet und seinen Wunsch geäußert hat, den Preis persönlich entgegen zu nehmen, scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. Dylans Schweigen war wie er sagt, Ausdruck seiner eigenen Überraschung und nicht wie manche angenommen haben Zeichen für eine Geringschätzung oder Ablehnung des Nobelpreises. Ich bin neugierig, ob er in Stockholm die Gelegenheit nutzen wird, ausführlicher über seine Vorstellungen von Literatur zu sprechen.

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Kategorien:Allgemein