Die Fortschrittlichen. Elemente einer Fundamentalkritik des Sozialismus
I squandered the years of my youth
It is a scary thing, the truth!
Dylan, Dreaming of youKoksen für die Miete,
Saufen gegen den Sozialismus…
Ja, Panik, Futur IIDie Feuersbrunst ist in den Gehirnen der Menschen, (…) nicht auf den Dächern der Häuser.
Dostojewski, Die Dämonen
Dies ist der erste Entwurf eines Projekts, das sich seit mehreren Jahren aufdrängt, aber nicht zum Abschluss kommen will. Es ist keine objektive Auseinandersetzung, keine abwägende Betrachtung und der Autor steht seinem Thema – spoiler alert – ganz grundsätzlich negativ gegenüber. Es ist jedoch keine Anleitung, wie oder was man über den Sozialismus denken soll, sondern vielmehr der Versuch, überhaupt eine Sprache dafür zu finden, dem Konformismus und der Reflexionslosigkeit zu trotzen, der sich in den Milieus, die seine Propaganda betreiben, eingenistet hat. Die Argumente, die ich in diesen (vorerst) sieben Schlaglichtern anbiete, werden die Ideologie nicht entkräften können, aber sie werden daran mitwirken, sich gegen den Übergriff linker Hegemonie zu wehren, ihren Machtanspruch widerspruchslos durchzusetzen und die Kritik inklusive der Kritiker dauerhaft auszulöschen. Die Fundamentalkritik des Sozialismus muss notwendigerweise unabgeschlossen bleiben. Möge sie trotzdem nützlich sein.
1.
Der vorliegende Text nimmt sich heraus, die Worte Sozialismus, Anarchismus und Kommunismus synonym zu verwenden. Grund dafür ist nicht, dass sie alle gleich sind oder verwechselt werden sollten, sondern dass all diese Begriffe vorwärts gerichtete Imaginationen darstellen, die eine stabile zeitliche Abfolge voraussetzen. Das Substrat all dieser Begriffe ist die Erwartungshaltung eines Zustands, der, wenn einmal erreicht, die Abwesenheit jeglicher historischer Zeit selbst ist. Im Sozialismus angekommen kann im wahrsten Sinne des Wortes eigentlich nichts mehr passieren.
Nach klassisch marxistischer Lesart kommt der Sozialismus vor dem Kommunismus, und der Marxismus-Leninismus sowjetischer Prägung verstand beide als „Etappen“ desselben Wegs. Der Anarchismus als politische Philosophie setzt andere Schwerpunkte, folgt aber der gleichen historischen Logik, die einen natürlichen Fortschritt annimmt. Das gleiche gilt für die unzähligen Spielarten des Maoismus, Trotzkismus und die Ausprägungen des Anti-Imperialismus. Die Unterscheidung liegt einzig und allein im Ausmaß der gesamtgesellschaftlichen Veränderungen, die ökonomisch, politisch und kulturell zurückgelegt werden müssen, um jenes Utopia zu erreichen, das angestrebt wird.
Aus Sicht der (meisten) linken Traditionen ist der Sozialismus die Hälfte des Wegs, der Kokon, aus dem der Kommunismus schlüpfen kann, auch wenn die anarchistischen bis anarcho-syndikalistischen Strömungen alternative Interpretationen anbieten, was die Subjekte der Veränderung und die zeitliche Abfolge betrifft. Wir werden davon ausgehen, dass es phänomenologische Unterschiede gibt, die philosophisch, politisch und kulturell trotzdem innerhalb derselben Reichweite liegen. Sozialismus, Anarchismus und Kommunismus können deshalb auch als Spielarten eines abstrakteren Konzepts gesehen werden, dem Progressivismus, der die vorwärts gerichtete Bewegung eines messianisch inspirierten Politikmodells verkörpert. Alle sozialistisch inspirierten Philosophien sind progressiv, indem sie davon ausgehen, dass ihre Utopie die Vervollkommnung der politischen und kulturellen Ideale ist, die sie in ihrem jeweiligen Kontext anstreben. Die Idee einer linearen vorwärts gerichteten Bewegung, die alle Geschichte vorantreibt, ist ein immer wieder kehrendes Muster und kommt zunächst aus dem englischen Protestantismus[1], erfasst aber nach der Französischen Revolution die gesamte politische Struktur, die sich im Lauf des 19. Jahrhunderts als die Linke herauskristallisieren wird. Es gibt große Auffassungsunterschiede unter ihnen, ob die Umwälzung von selbst passiert oder aktiv angestoßen werden muss, rasch oder langsam von statten geht, durch Gewalt oder friedliche Mittel, im Rahmen organisierter Parteien oder im Rausch spontaner Volkserhebungen, aber sie sind allesamt davon beseelt den historischen Ballast des ancien régime durch einen revolutionären Akt überwinden zu wollen, der aus aller bisherigen Geschichte eine tabula rasa macht. Es ist keineswegs ein Zufall, dass die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris, die Tochter eines linken post-keynesianistischen (um nicht zu sagen marxistischen) Ökonomen[2], in ihrem Wahlkampf die Phrase „unburdened by what has been“ verwendete. Das Neue versteht sich nicht nur als unbelastet von jener Vergangenheit, die es hinter sich zu lassen gedenkt, sondern die Bewegung nach vorn muss auch aktiv die Geschichte verdrängen, die durch ihre Kenntnis davor warnen würde, dieselben Fehler beständig zu wiederholen. Daraus ergibt sich eine merkwürdige Gegensätzlichkeit: Das sozialistische Paradigma ist stets der Widerspruch, propagandistisch die Vollendung der bisherigen Zivilisation zu sein, gleichzeitig wird immer der komplette Bruch mit der Vergangenheit gesucht.
Die Vielfalt sozialistischer Ideen, die ihre eigenen politischen Spaltungen und inneren Konflikte haben, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass über alle Grenzen hinweg nicht nur ganz ähnliche Ziele verfolgt werden, sondern auch die methodologische Substanz dieser Projekte von den immer gleichen Paradigmen geprägt wird. Ziel ist nicht nur eine neue Gesellschaft, sondern auch ein neuer Mensch. Die Ablehnung der (traditionellen) Religion, der Kirchen und ihrer Priester ist bei allen sozialistischen Feldversuchen eine unhintergehbare Voraussetzung. Die Ablehnung der Kernfamilie und das frühestmögliche Herauslösen der Kinder vom Einfluss der Eltern ist ein Standard, der sich bei den meisten historischen Beispielen finden lässt. Dies verweist auf eine wesentliche Kennzahl des Progressivismus: die Idee, dass alle natürlichen Bindungen, Verankerungen und Verwurzelungen durch künstliche Substitute ersetzt werden können (und sollen), um den neuen Menschen zu erschaffen. Die Ablehnung individueller Autonomie, die sich dem Konformitätsdruck widersetzt, ist ebenso häufig anzutreffen und produziert in aller Regel Geständnisregime[3], die in ihrer Widerlichkeit mit zu den schlimmsten und grausamsten Tiefpunkten der menschlichen Geschichte gehören. Die Annahme ist stets, dass man das Beste für die abstrakte Kategorie des Menschen, gegen die Mehrheit der konkreten und realen Menschen durchsetzen muss. Sozialistische Politik, unter welchem Namen sie auch immer betrieben wird, hat darum den Anspruch, dass der Fortschritt, den sie bringen will, Gesellschaft immer ganzheitlich zu erfassen hat, gleichgültig ob er von etatistischen Kommunisten oder libertären Anarchisten propagiert wird. Sozialistische Modelle sind immer alternativlos und die Veränderung muss total sein, oder sie ist nicht.
Der Sozialismus wird nicht als Teil der Geschichte verstanden, sondern Geschichte als Ganzes ist die implizite Hervorbringung der sozialistischen Utopie, und wenn diese Geschichte gemacht wird, geht sie stets voran. Die Partei der Fortschrittlichen und Progressiven, die zeitgenössischen Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten, sind deswegen ganz natürlich im Geschäft globaler Veränderungen aktiv. Vom Klimaschutz zum Veganismus bis zur Auflösung nationaler Grenzen, von der Propagierung dutzender Geschlechter zur Kollektivierung privater Wirtschaft über die Etablierung eines universellen Grundeinkommens, immer geht es darum, den Fortschritt als alternativlose Bewegung eines Telos zu verstehen, dessen Ablehnung einer Psychopathologie gleichkommt. Was im Namen der Vernunft propagiert wird, muss in einem solchen Kontext auch immer schon an sich vernünftig sein. Darin verbirgt sich der politische Anspruch, dass sich die Realität adäquat zur Sprache zu verhalten habe und nicht etwa umgekehrt. Der progressive Glutkern des Sozialismus kommt hier am deutlichsten zum Ausdruck: das Wesen der Utopie ist nicht, dass sie irgendwann von selbst entsteht, sondern der sozialistische Impuls ist die große Idee ein historisches Subjekt zu werden, das diese Utopie aktiv als Mission einer intellektuellen avant-garde realisiert. Der Sozialismus ist psychologisch gesehen eine Über-Ich Instanz, die ihre Subjekte dazu autorisiert, die gewünschten Veränderungen aktiv herbeizuführen. Die Rationalisierungen sind vielfältig, die Mechanismen gleichen sich. Für etwa zwei Jahrhunderte hat die sozialistische Idee, auf den Schultern einer noch viel älteren und abwechslungsreichen Geschichte, einen großen Teil der politischen Energien erzeugt, mit der sich das 20. Jahrhundert in Techniken der Massenvernichtung geübt hat. Einige der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und viele der größten Erniedrigungen der menschlichen Natur wurden an Orten begangen, in denen von der sozialistischen Utopie die Rede gewesen ist.
Aus Gründen der historischen Relevanz werde ich also vor allem vom Sozialismus reden, weil er als pars pro toto verwendet werden kann. Eine Kritik des Sozialismus ist eine grundsätzliche Kritik des Kommunismus (und auch des Anarchismus und des Progressivismus), weil die Kritik den politischen Impulsen gelten muss, die all diese Phänomene befeuern. Es gibt unterschiedliche Deutungen der historischen Genealogien, aber im Prinzip sind sozialistische Ideen sehr alte Leidenschaften, die in allen Gesellschaften auftreten, die stabile Ordnungen schufen.[4] Nur dort, wo es entwickelte Typen von Machtstrukturen gibt, die einen normativen Zwang ausüben, kann es auch sozialistische Agitation geben. Das Ziel ist die bestehenden fest gefügten Ordnungen zu zerstören, eine „permanente Revolution“ (Trotzki) in Gang zu setzen, die alle Gewohnheiten auflöst, sicheres Wissen unmöglich macht und eine imaginäre historische Schuld begleicht. Die Sozialisten waren zu allen Zeiten jene, die im Namen des Fortschritts und für den abstrakten Menschen alte und repressive Ordnung in das Chaos ihrer eigenen Machtausübung überführen wollten. Ihre Methode war immer die Zerstörung des Bestehenden, welche der zu erreichenden Utopie notwendigerweise voraus gehen muss. Der Sozialismus, das ist die Partei der Fortschrittlichen.
2.
Der Sozialismus nimmt für sich in Anspruch die Verwirklichung universaler Gleichheit zu sein. Aber was bedeutet in diesem Zusammenhang „universale Gleichheit“? Die Frage mutet seltsam an, scheint die Antwort doch selbstevident. Es fällt auf den ersten Blick nicht leicht, den inneren Widerspruch zu identifizieren, der dem Begriff der „universalen Gleichheit“ innewohnt. Ganz prinzipiell ist die Gleichheit zweier Dinge nur in Bezug auf ein Drittes gegeben, das beide vermittelnd abstrahiert. Während Identität die Einheit mit sich selbst ist, braucht Gleichheit zumindest zwei Objekte, die aufeinander bezogen werden können. Zwei Exemplare gelten als gleich, wenn sie die Bedingung erfüllen, als Typen derselben Abstraktion anzugehören. Eine erste Annäherung an den Begriff der Gleichheit ist daher, dass Gleichheit als etwas Relatives betrachtet werden muss. Zwei Dinge sind gleich in Bezug auf eine übergeordnete Maßeinheit, die beiden identifizierbare Qualitäten zuschreiben kann. Das Sprichwort der Inkommensurabilität von Äpfeln und Birnen legt nicht ganz zufällig nahe, dass Gleichheit eine Qualität ist, die sich nur innerhalb der Mengen von Äpfeln oder der Menge von Birnen realisieren lässt. Es gibt keine universale Gleichheit, weil Gleiches nur durch eine Metrik sichtbar werden kann, die eine höhere Abstraktion voraussetzt und damit den universalen Charakter suspendiert. Anders gesagt: Gleichheit muss immer mit Ungleichheit korrespondieren. Alles, was nicht gleich ist, fällt aus dem Topf der Universalität und wird partikular, und damit relativ. Gleichheit ist also im selben Maße ausschließend, wie es als politischer Kampfbegriff gemeinsame Identität bedeutet. Der sozialistische Grundimpuls ist es, den Radius der Gleichheit so weit als möglich auszudehnen, um die Ungleichheit außen vor zu lassen. Der Teil der Gleichheit, der Identität erzeugt, wird dadurch enger in seinem eigenen Bedeutungszusammenhang und expandiert als Konformitätsdruck.
Menschen sind gleich vor dem Gesetz, aber das Gesetz selbst und nicht der Zustand der Gleichheit legt fest, was damit gemessen wird und was vor dieser Messung als gleich zu gelten hat. Das bedeutet auch, dass eine universale Gleichheit ein Prinzip ohne Inhalt ist. Menschen, die nicht erwachsen sind, sind nicht gleich denen, die als mündig und volljährig gelten und werden vom Gesetz auch nicht so behandelt. In jedem marxistischen Lehrbuch wird festgehalten, dass die Gleichheit vor Gott oder dem Gesetz und die Referenz darauf die Machtbasis der Bourgeoisie ist, die sich dadurch eine Elitenposition gegenüber ihren Subalternen verschafft. Alle Progressiven teilen die Auffassung, dass Gleichheit vor Gott oder dem Gesetz niemals genug ist, niemals gerecht und dass sie nicht zu Gleichheit führt, sondern die bestehende praktische Ungleichheit erhöht. Um Gleichheit, also „universale Gleichheit“ zu erreichen, muss aus der Sicht sozialistischer Politik immer nachgeholfen werden und genau genommen wird das ständige Nachhelfen und Intervenieren zum eigentlichen Zweck des politischen Handelns. Alle müssen gleich sein, koste es was es wolle. Die sozialistische Gleichheit ist eine bürokratische Korrekturbehörde, die niemals überflüssig wird, weil die Ungleichheit als Phänomen erst im Kältetod der Entropie verschwindet.
Die Forderung sozialistischer Politik ist daher, dass die Gleichheit nicht durch eine höhere Abstraktion, ein vermittelndes Prinzip gemessen werden soll, sondern Gleichheit muss Gleichheit zueinander bedeuten.[5] Der Bettler und der Milliardär, die beide innerhalb eines staatsbürgerlichen Kontexts die gleichen Rechte und Pflichten haben, sind nicht gleich, weil die staatsbürgerliche Gleichheit eine reine Ausgangsbestimmung ist, und das Gesetz damit nicht erfasst, welche Handlungsmöglichkeiten Bettler und Milliardär für sich in Anspruch nehmen können. Dass Bettler und Milliardär nicht voraussetzungslos auf die Welt gekommen sind, und Reichtum nicht das spontane Produkt einer Klassenzugehörigkeit ist, sondern in aller Regel über Generationen hinweg aufgebaut, weitergegeben und schließlich entscheidend vermehrt wurde, sind Themen, die für diese Sicht der Dinge wenig Bedeutung haben. Die Forderung nach Gleichheit ist immer mit Interventionen in ein Jetzt verbunden, dessen Geschichte man nicht kennt und das in diesem Augenblick verändert werden muss. Der Sozialismus als politisches Phänomen kann daher auch als Versuch betrachtet werden, den fehlenden Universalcharakter der Gleichheit zu eskalieren und den ganzheitlichen Anspruch radikal durchzusetzen, ohne Rücksicht auf die Paradoxien nehmen zu wollen, die ein solches Postulat mit sich bringt. Orwells satirischer Satz in der Farm der Tiere, dass manche gleicher sind als andere, drückt aus, dass Gleichheit als Begriff eben keine universale Logik besitzt, sondern nur als relatives Prinzip Gültigkeit hat. Es gibt keine wirkliche oder reale Gleichheit im Ozean der Differenz. Gleichheit bedeutet darum in einem sozialistischen Kontext letztlich Ununterscheidbarkeit, die auf den Mühen der Ebene wieder in Differenz zurückübersetzt werden muss, um als Begriff überhaupt operationalisierbar zu sein. Das Prinzip einer vermittelnden Abstraktion verlagert sich auf ein Negatives, das den Mangel erklären muss, der sich daraus ergibt, dass die Gleichheit zueinander ohne Vermittlung substanzlos bleibt. Wo Gleichheit als solche erkannt werden soll, wird sie erst durch die Ungleichheit selbst sichtbar. Damit alle gleich sind, müssen manche gleicher sein, weil sich der relative Charakter des Begriffs immer darauf versteift, dass Gleichheit nur durch die Nicht-Gleichheit mit anderen Dingen als solches überhaupt Relevanz hat. Wo Zustände nicht mehr unterschieden werden können, es daher keine Differenz gibt, verschwinden die Kriterien, die einzelne Gegenstände identifizierbar gemacht haben und dies hat zur Folge, dass politische Konflikte unausweichlich sind.
René Girard stellte fest, dass Gleichheit als Prinzip Gewalt produziert, weil sie jene Unterschiede auslöscht, auf deren Grundlage sich Menschen überhaupt begegnen können.[6] In Girards Begriff der mimetischen Rivalität ist festgeschrieben, dass das Begehren sich zu unterscheiden und eben dem Gegenüber nicht gleich sein zu wollen, wesentlich ursprünglicher ist. Das, was die meisten sozialistisch inspirierten Philosophien schlichtweg leugnen und verdrängen ist, dass die meisten Menschen zu allen historischen Zeiten Ungleichheit, sozialer und politischer Natur, akzeptiert haben und eher rebellierten, wenn die Ungleichheit verringert wurde, weil ihr eigener Platz davon bedroht wird. Ungleichheit ist das Produkt einer stabilen politischen Ordnung, deren Architektur darin besteht sie aufrecht zu erhalten. Den ursprünglichen Zustand, der in einer Gleichheit ohne (politische) Ordnung bestanden haben soll, gibt es nicht, weil sie nur auf einer anderen stabilen Ordnung beruht, die man nicht wahrnimmt. Girard erwähnt anthropologische Forschung, die bei ursprünglich lebenden Völkern eine Angst vor Ähnlichkeit beobachtet, die dazu führt, dass bei der Geburt von Zwillingen eines der Kinder getötet wird.[7] In solchen Gesellschaften ist die Gleichheit ein echtes Tabu, das Furcht induziert. Gleichheit, die in unseren Breiten als anzustrebendes Ideal und als Allheilmittel gegen Gewalt betrachtet wird, ist bei genauerer Betrachtung ein Brandbeschleuniger für Gewalteskalation. Während Ungleichheit eine Ordnung voraussetzt, in der sie eindeutig identifiziert werden kann, muss die Gleichheit zueinander erst durch eine autoritäre Macht deklariert werden, damit sie als imaginär-universales Prinzip die realen Hierarchien leugnet und negative Anker im ideologischen Horizont findet, die als Feindbilder erklären müssen, warum die Gleichheit zueinander nicht funktioniert. Die zahllosen Versuche sozialistischer Regime Gleichheit als unvermitteltes Prinzip durchzusetzen, scheiterten vor allem daran, dass einerseits manche einfach gleicher sein müssen, andererseits die Universalität der angestrebten Gleichheit nur durch absoluten Zwang und daraus folgend erst durch die Eskalation der Gewalt selbst anwendbar wurde. Gleichheit ohne Vermittlung ist das Problem, nicht die Lösung.
Ein sehr treffendes Beispiel, das dies demonstrieren kann, ist die mit vielen Preisen ausgezeichnete Science-Fiction Autorin N.K. Jemisin (geb. 1972), und ihr 2018 veröffentlichter Text „The Ones Who Stay And Fight“[8], der als Reaktion auf Ursula Le Guin’s Kurzgeschichte „The Ones Who Walk Away From Omelas“[9] (1975) entstand.
Le Guin formulierte in ihrem Text die Konzeption einer utopischen Gesellschaft, einer Stadt namens Omelas, in der alle Bewohnerinnen und Bewohner in Luxus und Wohlstand leben, aber gleichzeitig Mitwisser eines erschütternden Geheimnisses sind. Der Reichtum von Omelas und das persönliche Glück seiner Menschen hängt vom Leid eines unterernährten, behinderten Kindes ab, das in einem dunklen Keller eingesperrt, von jedem Bewohner der Stadt Omelas genau einmal an der Schwelle zum Erwachsenwerden besucht werden muss. Niemand darf dem Kind helfen, zu ihm sprechen oder etwas tun, das sein Leid mildern würde, weil, so die Bedingung dieser Utopie, Omelas und sein Reichtum sonst untergehen würden. Einige, die mit dieser Tatsache konfrontiert werden, ertragen es nicht und verlassen Omelas, um nie wieder zurückzukehren. Ursula LeGuin, eine der wichtigsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, schuf mit dieser Allegorie eine hochintelligente Auseinandersetzung über den Charakter von Utopien, in denen der Preis, den jede Zivilisation für ihre Größe zu bezahlen hat, am Beispiel eines einzigen Kindes, das furchtbares Leid ertragen muss, verhandelt wird. Wer in Omelas bleibt, hat mit dem Wissen um die eigene Verstrickung ins Unglück des leidenden Kindes zu leben, wer Omelas verlässt, verliert die Teilhabe an der Utopie. LeGuin, die sich politisch als Anarchistin[10] verstand, wurde bereits zu Lebzeiten für diesen hellsichtigen Blick auf die menschliche Natur stark kritisiert, aber erst nach ihrem Tod, wagte sich N.K. Jemisin an eine Art Zurückweisung des moralischen Dilemmas, das LeGuin schildert. In „The Ones Who Stay and Fight“ entwirft Jemisin die Utopie einer Stadt, namens Um-Helat, die wie Omelas den Höhepunkt der aktuell vorstellbaren Zivilisation bildet und in einer parallelen Dimension angesiedelt ist. Um-Helat ist divers, gerecht und korruptionsfrei, ein perfekter Staat, indem es weder Armut noch soziale Konflikte gibt, weil die universale Gleichheit eine Gleichheit aller zueinander ist.
„Um-Helatians are learned enough to understand what must be done to make the world better, and pragmatic enough to actually enact it (…) This is the paradox of tolerance, the treason of free speech: We hesitate to admit that some people are just fucking evil and need to be stopped. This is Um-Helat, after all, and not that barbaric America. This is not Omelas, a tick of a city, fat and happy with its head buried in a tortured child.“[11]
Jemisins Kritik an LeGuin ist, dass die Utopie von Omelas nicht ohne das Opfer auskommt. LeGuins Einsatz, dass jede Art von Wohlstand und Glück in irgendeiner Weise durch Armut und Elend erkauft werden muss, wird von Jemisin als Verrat daran interpretiert, dass die Utopie die Wiederherstellung einer ursprünglichen Unschuld leisten soll. Es darf kein Leid in der Utopie geben, weil es das gute Gewissen und die moralische Selbstwahrnehmung in Frage stellen könnte. Trotzdem Um-Helat in einer anderen Dimension existiert, können seine Bewohner unsere Welt sehen und den Rassismus, die Ungerechtigkeit und den Mangel an Diversität, der bei uns herrscht, zur Kenntnis nehmen. Das Problem, das sich Um-Helat nun stellt ist, dass trotz aller Abgeschlossenheit ihrer Welt gegen unsere, Ideen und Gedanken aus unserer Welt in die Welt von Um-Helat gelangen können.
„In such a place, buoyed by the luxury of safety and comfort, people may seek knowledge solely for knowledge’s sake. But some knowledge is dangerous.”[12]
Manche Bewohner Um-Helats werden von der Verderbtheit unserer Welt angezogen und mit schädlichen Gedanken infiziert.
„They begin to perceive that ours is a world where the notion that some people are less important than others has been allowed to take root…”[13] (Hervorhebung im Original)
Die simple Tatsache, dass es einen Zustand geben könnte, in dem manche Menschen weniger wichtig sind als andere, erscheint merkwürdig unspektakulär, aber in Jemisins Welt ist es ein Kapitalverbrechen dies zu denken. Die in Um-Helat praktizierte Gleichheit ist dadurch bedroht, dass man zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen kann, sie sei relativ. Um dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben, treten sogenannte social worker auf den Plan, die damit beauftragt werden, jeden rücksichtslos zu verfolgen, der mit dem schädlichen Gedanken kontaminiert wurde, dass „manche Leute weniger wichtig sind als andere“.
„But there is only one treatment for this toxin once it gets into the blood: fighting it. Tooth and nail, spear and claw, up close and brutal; no quarter can be given, no parole, no debate.”[14]
Sozial(istisch)e Gerechtigkeit ist die Politik des Erschießungskommandos und die Gleichheit zueinander auch die Gleichheit vor den Gewehrläufen. Jemisin schildert enthusiastisch, wie die social worker einen Mann vor den Augen seiner Tochter ermorden, der diesen falschen Gedanken ausgesetzt gewesen ist, ohne dass überhaupt klar wird, welche Art von Handlungen sich daraus ergeben würden. Die Kontamination, die das Denken der Möglichkeit zur Folge hat, dass „manche Leute weniger wichtiger sind als andere“ reicht bereits aus, um den staatlichen Todesbefehl in Gang zu setzen.
Es hätte durchaus sein können, dass „The Ones Who Stay And Fight“ satirisch zu verstehen ist, aber Jemisin machte in Interviews und öffentlichen Auftritten sehr deutlich, wie ernst sie das meint.[15] Die diverse Utopie sozialer Gerechtigkeit und universaler Gleichheit, die sich als Paradies im Gegensatz zu unser verderbten, vom Gedanken sozialer Unterschiede infizierten Vorhölle abhebt, ist eine dystopische Terrordiktatur, die ihre eigenen Bürger für Gedankenverbrechen ohne Prozess einfach auf Verdacht hinrichtet. Jemisins Idee von Gleichheit, prototypisch für eine ganze Generation von social justice warriors, ist die skrupellose Eskalation der Gewalt, und nicht wie behauptet ihre Verhinderung. Das Opfer, das man als Bedingung der Utopie noch kategorisch verneint hat, wird einfach zum Opfer des Terrors gegen das Böse, das man behauptete mit der Utopie unmöglich zu machen. Aber das Opfer wird ebenso wie zuvor bereitwillig gebracht. Was also bei LeGuin noch Teil des Reflexionsprozesses gewesen ist, verschwindet bei Jemisin völlig und macht die Wahrnehmung der eigenen Gewalt unsichtbar, weil man diese stets als Reaktion auf ein äußeres Übel verbuchen kann. Sozialismus als Prinzip neigt stets zur Tyrannei, weil die Eskalation der eigenen Gewalt immer in der Vorhölle des Unbewussten versteckt wird. Und in Um-Helat werden sie wohl noch ein paar mehr um die Ecke bringen müssen, wenn sich erst der Gedanke festgesetzt hat, dass manche gleicher sind als andere.
3.
Der Sozialismus als politischer Begriff entzieht sich einer genaueren Festlegung, weil er auf Träumen und Imaginationen aufgebaut ist. Die sozialistischen, anarchistischen und kommunistischen Kader des Progressivismus, gestern wie heute, sind Menschen, die sich für idealistische Traumtänzer halten. Sozialismus, Anarchismus und Kommunismus sind darum vor allem Selbstbilder.[16]
Von den Seenotrettern über die Klimaaktivisten bis zu den Streitern fürs bedingungslose Grundeinkommen: Die progressiven Intellektuellen träumen davon die Helden der Massen zu sein, und als weiße Ritter von den Unterprivilegierten in ewiger Dankbarkeit in Liedern und Hymnen besungen zu werden.
Sozialistische Politik imaginiert sich als Retterin vor einer Gefahr, die sie im Zweifelsfall selbst produzieren muss. Ihr Begehren ist es, die Dynamik sozialer Verwerfungen dafür zu nutzen, die Realität der eigenen Herrschaft wirksam zu verschleiern. Die Beliebigkeit der Ziele, die im jeweiligen Kontext formuliert werden, entspricht dem Nutzen, den diese Ziele für die Karrieren und die Reproduktion von Eliten haben, die im Sozialismus oder Progressivismus Chancen sehen ihr soziales Kapital erfolgreich zu veranlagen. Es geht um die Errichtung eines Zustandes, der Geschichte als solche negiert, aber sich gleichzeitig als Vollendung aller bisherigen Geschichte darstellen will. In ihrer eigenen Imagination sind Sozialisten die Kinder einer ursprünglichen Unschuld, die verloren gegangen und darum wiederhergestellt werden muss, indem man die Ursprungsbedingungen dieser Unschuld wieder reproduziert.
Der Name der Unschuld ist zumeist: Gerechtigkeit. Sie nennt sich „gerechte Wirtschaftspolitik“, „Klimagerechtigkeit“, „soziale Gerechtigkeit“ oder auch „gerechte Sprache“. Stets ist die Gerechtigkeit eine Totalität, mit der die Konflikte bewusst übersteuert werden können, denn Gerechtigkeit als Begriff ist nicht skalierbar. Gerechtigkeit ist wie der Sozialismus ganzheitlich oder gar nicht. Gerechtigkeit als allgemeinen Zustand kann es nicht geben, wenn irgendwo noch Ungerechtigkeit existiert. Daraus wird der Treibstoff für die Rebellion gefördert, der niemals ausgeht, weil es immer irgendwo instrumentalisierbare Ungerechtigkeit geben wird. Damit geht auch das bewusste Vergessen historischer Katastrophen einher, das als rhetorische Floskel gelebt wird, es hätte noch keinen „wirklichen Kommunismus“ gegeben. Die Gerechtigkeit des „wirklichen Kommunismus“ ist das unerreichbare Ideal, das dafür genutzt werden kann, die Eskalation des eigenen Machtanspruchs auf das nächste Kliff zu treiben.
Obwohl der Sozialismus daher in erster Linie die Selbstwahrnehmung seiner eigenen Propaganda ist, sollte man sich die Mühe machen, die Definitionen, die angeboten werden, genauer anzusehen. Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bietet eine Zusammenfassung[17] dessen, was heute wohl als Konsens über diesen Begriff verstanden werden muss. Der Sozialismus ist demnach:
„(…) eine politische Weltanschauung, die darauf abzielt, eine solidarische Gesellschaft zu schaffen, in der die Grundwerte Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Veränderung der privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung ein, die nach sozialistischem Verständnis soziale und ökonomische Abhängigkeit begründet und der persönlichen und gesellschaftlichen Emanzipation entgegensteht. Der Sozialismus entstammt dem aufklärerischen Denken und ist u. a. den Prinzipien der Französischen Revolution verpflichtet. Er wendet sich gegen die einseitige Überhöhung individueller Freiheitsrechte und die Verabsolutierung des Privateigentums. Traditionell gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen des Sozialismus; der Grundgedanke – die Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen – trug wesentlich zu seiner internationalen Verbreitung bei.“
Die Dinge müssen vage bleiben, damit sie für beliebige Zwecke instrumentalisierbar sind. So wird das „aufklärerische Denken“ mit „den Prinzipien der Französischen Revolution“ verknüpft, aber verschwiegen, dass ein wesentliches Prinzip der Französischen Revolution der Terror gegen tatsächliche oder angebliche Feinde gewesen ist und das „aufklärerische Denken“ die Rationalisierung dieses Terrors betrieben hat.[18] Die bewusste Ausblendung der endemischen Gewalt revolutionärer Energie, die als „aufklärerisches Denken“ daherkommt, ist keine naive Unbedarftheit, sondern Begründung für ihre Eskalation, wenn die Revolution die Vernichtung ihrer Gegner als natürliche Folge des Prozesses selbst begreift.
Die „Veränderung der privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung“, die der „der persönlichen und gesellschaftlichen Emanzipation entgegensteht“ ist vor allem Propaganda, aus sozialen Verwerfungen dauerhafte Abhängigkeiten zu kreieren und die Individuen unter die Kontrolle der Partei, des Staates und seiner Eliten zu bringen. Das zentrale Motiv sozialistischer Politik ist die Vergesellschaftung der Macht, in der sich Individuen nicht mehr ohne Erlaubnis der Partei bewegen dürfen. Es gibt keine eindeutige Bestimmung, was Emanzipation ist und die Idee, dass Emanzipation sowohl persönlich als auch gesellschaftlich dasselbe bedeuten, wird als selbstverständlich deklariert, aber niemals bedacht, dass diese auch im Gegensatz zueinanderstehen können. Die stillschweigende Vorausgesetztheit einer harmonischen Einheit von „persönlicher und gesellschaftlicher Emanzipation“ ist ein rhetorischer Trick, der sich bei allen diesen Beschreibungen wiederfindet. Es wird einfach kategorisch ausgeschlossen, dass die Ablehnung des politischen Anspruchs mehr ist als eine krankhafte Pathologie. Die Verneinung von Widersprüchen ist immer Ausdruck des Totalitären, der die Menschen zu ergreifen hat und den Dissens zur Straftat erklärt.
Der Anspruch „eine solidarische Gesellschaft zu schaffen, in der die Grundwerte Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden“, ist ein Begriffsnebel, der keine Auskunft darüber gibt, was mit Freiheit und Gleichheit gemeint sind, weil stillschweigend vorausgesetzt wird, dass alle dasselbe darunter verstehen. Die Komplizenschaft, die vom Leser verlangt wird, besteht darin den Bezug auf diese Worte selbst schon als Nachweis der guten Absicht zu interpretieren und nicht mehr danach zu fragen, was das im Zweifelsfall wirklich heißt. Während die menschlichen Gesellschaften der letzten zehntausend Jahre unzählige Konflikte darüber ausgetragen haben, was Gleichheit und Freiheit für wen zu welchem Zeitpunkt bedeuten und niemals jemand eine allgemein verbindliche Antwort darauf formulieren konnte, geht das sozialistische Paradigma davon aus, dass diese Frage durch die Deklaration der Worte selbst bereits völlig transparent ist. Die merkwürdige Einschränkung, dass „die einseitige Überhöhung individueller Freiheitsrechte und die Verabsolutierung des Privateigentums“ anscheinend nicht zum Grundwertebündel Gleichheit und Freiheit gehören, bleibt ungeklärt, obwohl Privateigentum und individuelle Freiheitsrechte, überhöht oder nicht, wesentliche Bestandteile der freiheitlichen und demokratischen Grundordnungen sind. Der offensichtliche Widerspruch, dass der Sozialismus somit feindselig zur freiheitlich demokratischen Grundordnung steht, wird heute so konsequent ignoriert, dass die Definition nach ihren eigenen Maßstäben ins Absurde kippt. Die Unschärfe ist beabsichtigt, weil es sich dabei um Selbstbilder handelt, wohlgemerkt. Die Unangreifbarkeit dieser Selbstbilder ist Methode, die Unschärfe der Begriffe und Definitionen Mittel zum Zweck, den Zugriff auf die Macht konsequent durchzusetzen. Der Abstand zur Wirklichkeit ist proportional zum Ausmaß der Gewalt, das notwendig ist, die Umsetzung der Grundwerte Freiheit und Gleichheit (ohne Privateigentum und überhöhte Freiheitsrechte) als Prämissen einer unwidersprochenen Evidenz auszuüben. Jeder Satz in oben zitierter Definition hat den Mord an Millionen Menschen verursacht, ohne dass irgendeine Generation sozialistischer Traumtänzer danach das zur Kenntnis genommen hätte. Es gab eben noch keinen „wirklichen Kommunismus“.
Die wesentliche Eigenschaft dieser Definition ist, dass sie vor allem das Selbstbild sozialistischer Politik und ihrer traumtänzerischen Influencer*innen fortschreibt, nicht die Realität des politischen Handelns, das damit in der Vergangenheit (und der Gegenwart) verbunden gewesen ist. Sozialistische Politiken gehen immer mit der Selbstidealisierung ihrer Protagonisten einher, verweisen auf utopische Ziele, edle Motive, große Projekte, deren Realisierung immer in die Zukunft weisen soll, und den Fortschritt an sich repräsentieren.
Der Grundgedanke des Sozialismus laut der Bundeszentrale für politische Bildung ist darum: „die Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen“, ohne auch nur einen Gedanken darauf zu verschwenden, was das überhaupt heißen soll. Die Floskel selbst ist bereits so abgegriffen und banal, dass es niemandem mehr auffällt, dass die Herrschaft von Menschen über Menschen durch das Zutun des modernen Säkularismus selbst unvermeidlich geworden ist. Seit Nietzsche und seiner Idee, dass Gott tot sei, ist die Herrschaft von Menschen über Menschen fundamentale Bedingung der szientistischen Weltsicht. Wenn Menschen nicht über Menschen herrschen, wer sollte es sonst tun? Die Götter des Olymps? Außerirdische? Die Ringe der Macht?
Die sozialistische Antwort darauf wäre wohl mit aller Phantasielosigkeit: die Partei!
Anderswo heißt es: „Es geht um nichts weniger als um die Abschaffung jeglicher Herrschaft…“[19]. Die sozialistischen Intellektuellen lieben solche Sätze, weil dieses Gerede die ideale Tarnung für die Verschleierung ihres eigenen Machtanspruchs ist. Aber Herrschaft kann ebenso wenig abgeschafft werden, wie Physik. Stattdessen wird die menschliche Natur geleugnet, indem man Begriffe wie Herrschaft als unterscheidbar von sozialer Intervention imaginiert, ebenso wie man vom „Kapitalismus“ spricht, als könnte man das Verhältnis von Produktion und Markt getrennt von der gesellschaftlichen Realität bestimmen, die es hervorbringt. Die Verwendung von Substantiven, die Verhältnisse und Relationen beschreiben, aber als statische Agenten behandelt werden, ist ein weiterer rhetorischer Trick, der diejenigen, die solche Rede verwenden den Anschein objektiver Perspektive geben soll, selbst wenn sie zuvor den Tatbestand objektiver Wahrheit grundlegend in Frage gestellt haben.[20]
Die Qualität sozialistischer Ideen besteht darin, dass sie keiner genaueren Betrachtung standhalten, sondern dazu dienen einen Konsens zwischen Gläubigen herzustellen, der als Loyalitätsnachweis gehandhabt wird. Sozialistische Politik besteht aus Bildern, die ihrerseits a-priori Annahmen sind, für die es keine weitere Auseinandersetzung braucht. Offenbar ist allen Beteiligten klar, was eine solidarische Gesellschaft ist, in der die Grundwerte Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden. Die vordergründige Naivität, die solcher Sprache eigen ist, täuscht. Die abstrakte Leere, die einen Satz wie den über die „solidarische Gesellschaft, in der die Grundwerte Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden“ ausmacht, ist beabsichtigt. Freiheit und Gleichheit sind keine exakten Begriffe. Es gibt keine Einigung darüber, ob Gleichheit die Gleichheit von Ausgangsbedingungen ist oder Gleichheit der Resultate meint und was unter Freiheit verstanden werden kann, ist ebenso subjektiv wie Auffassungen über Glück, Liebe oder Moral. Der paradoxe Anspruch sozialistischer Politik ist jedoch, komplett subjektive und arbiträre Versprechen individueller Art als allgemeingültige und vor allem generalisierbare gesellschaftliche Rahmenbedingungen modellieren zu können.
Beispielhaft heißt es in einer 2008 veröffentlichten Broschüre der Rosa Luxemburg Stiftung:
„Die »allgemeine Formel des Sozialismus« könnte man damit umschreiben, dass es das Ziel einer sozialistischen Gesellschaft ist, vermittelt über die solidarische Entwicklung aller eine freie, universelle Entwicklung der Individuen zu ermöglichen. Durch ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Reproduktions- und Lebensprozess sollen Individuen menschlich bereichert werden – reicher an Bedürfnissen, Genüssen, Fähigkeiten, Beziehungen und sinnlichen Eindrücken. Individuen (I) würden so zu entwickelteren Individuen (I’). Ihr solidarischer Beitrag zur Entwicklung aller (S) würde zur Bedingung ihrer eigenen Entwicklung. Die allgemeine Formel des Sozialismus könnte deshalb auch so aufgeschrieben werden: I-S-I’. Ihre Verwirklichung würde sichern, dass Freiheit zur Gleichheit führt und Gleichheit zur Freiheit.“[21]
Was diese „allgemeine Formel“ natürlich völlig ignoriert ist, dass es keine verbindliche und allgemeine Übereinkunft darüber gibt, was eine „eine freie, universelle Entwicklung der Individuen“ ist und was eine „solidarische Entwicklung“ an gesellschaftlichen Rahmenbedingungen voraussetzt. Die Deklaration, dass die „Verwirklichung (…) sichern [würde], dass Freiheit zur Gleichheit führt und Gleichheit zur Freiheit“ ist bereits der Beweis für die Wahrheit der Behauptung. Die berühmte Ausrede, dass alle bisherigen Versuche daran gescheitert seien, weil bösartige Charaktere die edlen Anliegen für eigene Zwecke missbraucht hätten, ist die Verkennung, dass die Ziele selbst niemals für etwas anderes gedacht waren, als jenen bösartigen Charakteren Legitimation dafür zu verschaffen, sie für ihre machtpolitischen Zwecke einzusetzen. Das Selbstbild der sozialistischen Traumtänzer ist die Ambition Macht und Ressourcen anzusammeln, weil man die Welt verändern und verbessern will. Was sie nicht zugeben wollen, oder verdrängen, ist jedoch, dass das Streben nach Macht, Ressourcen und Prestige selbst zum alleinigen Zweck verkommt. Jede Generation bringt ihre eigenen Ausgaben dieses Strebens hervor, weil die politische Energie sich weniger auf die Veränderung der Welt, sondern vor allem auf die Veranlagung von sozialem Kapital konzentrieren muss, um gesellschaftlich wirksam zu sein. Da diese Energie niemals aufhört zu fließen, ist der Versuch selbst das Produkt einer ewigen Wiederkehr. Der Sozialismus kann immer scheitern und verliert nichts an seiner Glaubwürdigkeit.
4.
Die Frage was den Sozialismus inhaltlich genau ausmacht, ist für sich genommen sehr uninteressant. Die Definitionen, die existieren, sind bereits selbst Mittel zum Zweck. Den Sozialismus zu erklären ist das Brot einer intellektuellen Elite, die ihn für sich bereits theoretisch realisiert hat und nun den Proletariern zu deren eigenem Besten verkaufen will. Die Sozialismuserklärer und Sozialismuserklärungen sind schon der Raum, den sozialistische Politik phänomenologisch einnimmt und die zahlreiche Literatur, die sich dem Unternehmen widmet, den Sozialismus ideologisch, philosophisch und propagandistisch zu rehabilitieren ist in gewisser Weise das Phänomen, das es beschreiben will. Um Karl Marx zu paraphrasieren, geht es nicht darum den Sozialismus zu interpretieren, sondern darum die Propaganda er sei eine Lösung für irgendetwas dauerhaft abzuschalten. Aber diese Aussage ist schon selbst eine weitere Utopie, denn es ist praktisch gesehen unmöglich den Sozialismus so erschöpfend zu beschreiben, dass man sein Gespenst endlich bannen kann. Beides, die Verwirklichung der utopischen Doktrin, und die Verabschiedung der Utopie in die Kellerabteile der Geschichte, sind nicht realisierbar, aber genau deswegen kreieren sie einen endlosen Zufluss an politischen Energien.
Was wir „Sozialismus“ nennen, ist nicht so sehr die Entwicklung eines zu errichtenden politischen Systems, sondern ein Diskurs, der sich dem Nachdenken über die Schöpfung und Errichtung eines solchen sozialistischen Paradieses widmet. Dieser Diskurs wird von einer stabilen gesellschaftlichen Basis getragen, die nicht die Arbeiter, die Unterdrückten oder die unteren Schichten sind, sondern Sozialismus als politische Doktrin wird stets von Eliten, Patriziern und Intellektuellen[22] betrieben, die diesen Diskurs als ihr eigenes Projekt betrachten, mit dem sie sich gegen andere Eliten in strikt ödipalen Konflikten durchsetzen wollen. Es ist wichtig diesen Zusammenhang genau zu verstehen. Sozialistische Ideen sind das Produkt einer darwinistischen Konkurrenz unter Patriziern, die nach politischen Anlagemöglichkeiten Ausschau halten, weil ihr ursprüngliches Kapital und seine Renditen unprofitabel geworden sind. Seit die Massen zum politischen Agenten wurden, der auf irgendeine Weise adressiert und für politische Projekte gewonnen werden muss, streiten sich intellektuelle Eliten darum, wer das Volk ins gelobte Land führen darf. Progressive Intellektuelle verstehen sich als politische und moralische avant-garde.
Darum ist der Sozialismus mehr eine Emotion als ein formulierbarer Gedanke. Er gehört mehr in den Bereich der Träume, Projektionen und Hoffnungen, als zum realistischen, Fakten orientierten Denken. Der Sozialismus ist nicht und kann gar nicht „wissenschaftlich“ sein, weil der Sozialismus etwas propagiert, das von der Wirklichkeit gar nicht erfasst werden kann. Anders ausgedrückt: Der Sozialismus gehört zu einer Art von Idee, die nicht widerlegt werden kann, obwohl sie falsch ist. Was unter anderem darauf schließen lässt, dass es Typen von Ideen gibt, die widerlegt werden können, weil sie richtig sind. In einer Umkehrung von Goethes unsterblichen Zeilen kann man auch sagen, dass der Sozialismus jene Kraft ist, die das Gute will und stets das Böse schafft. So wie der Weg zur Hölle mit guten Absichten gepflastert ist, so wird die sozialistische Urszene durch das Bedürfnis genährt nach dem Absoluten, dem Besten oder dem Höchsten zu streben und der großen Idee das ultimative Opfer zu bringen. Große Ideen sind notwendigerweise inkonsistent. Je größer ihre Reichweite, desto umkämpfter sind ihre Prämissen und umso widersprüchlicher ihre Schlussfolgerungen. Die sozialistische Idee hat streng genommen keinen positiven Inhalt, außer jenen, die für seine Umsetzung notwendige Gewalt zu verdrängen und zu rationalisieren. Die jeweiligen Prämissen, Absichten und Ziele sind historisch geerdete Phänomene, aber die prinzipielle Haltung zum Gegenstand ist sehr wohl identifizierbar: Es geht immer um den Umsturz, das Chaos und die Erschütterung. Marx spricht in seiner Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie davon, die „versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen [zu] zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!“ In der Passage, die diesem Bonmot vorangeht, heißt es: „Die Kritik, die sich mit diesem Inhalt befaßt, ist die Kritik im Handgemenge, und im Handgemenge handelt es sich nicht darum, ob der Gegner ein edler, ebenbürtiger, ein interessanter Gegner ist, es handelt sich darum, ihn zu treffen.“ (Hervorhebung im Original)
Marx war sich sehr bewusst, dass es ohne Gewalt nicht gehen würde, aber den progressiven Intellektuellen wurde die Aufgabe übertragen, die Gewalt, die sich in der sozialistischen Revolte entlädt, als „Emanzipation“ zu bewerben. Der Vorsitzende Mao hat es sehr treffend ausgedrückt: „Eine Revolution ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen oder Deckchensticken; sie kann nicht so fein, so gemächlich und zartfühlend, so maßvoll, gesittet, höflich, zurückhaltend und großherzig durchgeführt werden.“[23]
Der Zynismus, der diesen Worten innewohnt, wird von den progressiven Intellektuellen als ethische Haltung gelebt, sich immer wieder nicht daran erinnern zu können, dass die „allgemeine Formel des Sozialismus“ die erbarmungslose Eskalation der Gewalt ist, einer Gewalt, die sie projektiv ihren Feinden zuschreiben, aber selbst ohne Zögern praktizieren. Der Sozialismus ist stets der Bruch mit dem Alten. Es ist der Reiz des Neuen und ungeordnet Chaotischen, den man im jugendlichen Überschwang für die ureigenste Erfindung hält. Die sozialistische Idee ist darum immer strikt ödipal orientiert. Es ist der Wunsch nach dem Chaos, der sich gegen bestehende Ordnung richtet. Der Umsturz dieser Ordnung im Handgemenge, bei dem es darum geht, den Gegner zu treffen ist nicht bloß ein Ziel, es ist das Begehren an sich. Die Attraktivität der sozialistischen Idee ist erotisch[24] und politisch zugleich und nicht abhängig von einem äußeren Zwang, der sichtbaren Ungerechtigkeit oder der Realität von Herrschaft. Dieser Wunsch existiert im selben Maße, gleichgültig ob diese Ordnung repressiv ist oder laissez-faire agiert. In der freiesten, reichsten und tolerantesten Gesellschaft der Geschichte existiert dieselbe destruktive Energie, die ihre eigene apokalyptische Zerstörung herbeisehnt, wie sie in jenen historischen Epochen ihr Unwesen trieb, in denen sozialistische Apologien berechtigte Anliegen für sich instrumentalisieren konnten.
Der Wunsch der ödipalen Revolte ist stets die Auflösung der alten Ordnung, die sich immer wieder erneuern muss, damit gegen sie von vorne rebelliert werden kann. Der Sozialismus als politische Doktrin ist immer daran gescheitert, dass sich die Auflösung der alten Ordnung nicht ohne weiteres in ein lebbares nachher übersetzen ließ. Ist die Energie des chaotischen Tanzens die man in die Verhältnisse hinein gesungen hat erst einmal aufgebraucht und die Mühen der Ebenen erreicht, gibt es außer der alten Repression kein Mittel mehr, um den Kater aufzuschieben. Wenn Religion das Opium des Volkes ist, ist der Sozialismus das Kokain der intellektuellen Eliten.[25]
Sozialismus ist die jugendliche Euphorie, die das fest gefügte Gebälk der alten Ordnung stürzen will, aber keine Idee für das Morgen danach hat, in dem wieder normal gelebt, gedacht und gearbeitet werden kann. Trotskys Begriff der „Permanenten Revolution“ drückt diesen Zusammenhang wohl am deutlichsten aus. Der sozialistische Impuls ist der Wunsch im chaotischen Zustand erotischer Energie zu verharren, um die Notwendigkeit der Adoleszenz so lange wie möglich aufzuschieben.
5.
Sozialismus ist ein modisches Phänomen. Was sich vor dreißig Jahren noch in den Niederungen marxistisch-leninistischer Kampfblätter als vereinsamte avant-garde der Revolution verstand, hat sich heute in den Prestige trächtigsten Hochglanzmagazinen der Modeindustrie als pseudointellektueller Konformismus fest etabliert.[26]
Sozialistische Politik ist heute vor allem Fashionismus.[27] Die Verwendung linksextremer Parolen, kommunistischer Propaganda und radikal feministischer Sprache, ist Ausdruck einer gesellschaftlich anerkannten und von relevanten Eliten unterstützen Simulation. Die stereotypisch erzeugten Feindbilder dieser alternativen Wirklichkeit können so wenig Existenz für sich beanspruchen, dass sie als Patriarchat, toxische Männlichkeit oder white supremacy auf den Seiten der Modemagazine mit Styling Tipps, Fashion Trends und BookTok Hashtags bekämpft werden können. Das Bedürfnis akademisch gebildeter Elitenprinzessinnen ihr soziales Kapital dafür zu verwenden, ihre eigene Herrschaft wirkungsvoll zu verschleiern, demonstriert vor allem wie risikolos und bequem es geworden ist, sich als Barrikaden stürmende Revolutionärin zu inszenieren, bevor man den Caffè Latte mit Sojamilch während des Shopping Erlebnisses zu sich nimmt und zu Shirin David oder Taylor Swift tanzt und Selfies und TikTok Videos von sich macht.
Was Falco in den 80ern noch satirisch überspitzte, („Was für a modisches Weltbild!“, Helden von heute), erscheint in unserer Gegenwart als die herrschende Ideologie des Mode-industriellen Komplexes, der sich seinen eigenen deep state geschaffen hat. Fashionismus ist die Waffe einer Aristokratie, die ihren Status vergesellschaften muss, aber sozialistische Agitation dafür benutzen kann, genau jene Verhältnisse aufrecht zu erhalten, die ihre soziale Distinktion garantieren.
Die Attraktivität sozialistischer Agitation liegt folgerichtig darin, dass sie für intellektuelle Eliten Prestige generiert, das sich in Karrieren, Anerkennung und wiederverwertbaren Kapitalanlagen finanzieller und sozialer Natur umsetzen lässt. Sozialismus ist ganz simpel gesprochen ein Geschäftsmodell, das ein unschlagbares Risiko-Gewinn Verhältnis zulässt. Sozialistische Ideen lassen sich immer wieder neu inszenieren, während die Intellektuellen, die sie formulieren, niemals die Verantwortung dafür übernehmen müssen und stets behaupten können, dass es die Realität sei, die falsch liegen muss. Thomas Sowell schreibt:
„The more fundamental point is that, by thinking in terms of abstract people in an abstract world, intellectuals evade the responsibility and the arduous work of learning the real facts about real people in the real world — facts which often explain the discrepancies between what intellectuals see and what they would prefer to see.“[28]
In Franz Schandls Projekt „Streifzüge“ kann man lesen: „Es geht um nichts weniger als um die Abschaffung jeglicher Herrschaft, egal ob diese sich in persönlicher Abhängigkeit, in Sachzwängen oder in Selbstbeherschung (sic!) äußert.“[29]
Die simple Einsicht, dass es keinen Zustand politischer, sozialer oder menschlicher Natur gibt, der ohne trade-offs, Abhängigkeiten, Sachzwänge und Herrschaft auskommt, scheint zu banal zu sein, als dass sie von einem linken Intellektuellen geglaubt werden könnte. Wenn es „um nichts weniger als um die Abschaffung jeglicher Herrschaft“ geht, dann wird rasch deutlich, dass die Unmöglichkeit der Forderung eine selbstinduzierte Jobgarantie beinhaltet, mit der die Rolle eines moralischen Inquisitors in einem Prozess des Recyclings permanent neu inszeniert und in endlosen Empörungsritualen für soziale Medien wiederverwertet werden kann. Die sozialistischen Intellektuellen können die Sinnhaftigkeit ihres Tuns mittels Empörung, Skandalisierung und „selbsterzeugte[r] Irritation“ (Niklas Luhmann) so intensiv simulieren, dass sich die Univerzichtbarkeit ihrer Dienstleistung von selbst ergibt. Ihre eigentliche Funktion ist die Affirmation eines Status Quo, in der sie selbst die Rolle einer Gedankenpolizei einnehmen, die die Aufführung einer Pseudorebellion überwacht, mit der erwünschtes Denken, Sprechen und Handeln eingeübt werden kann. Die Ablehnung der Realität ist nicht nur eine Tugend, die es ermöglicht, dass linke Intellektuelle von etwas reden, das völlig absurd ist, sondern die Abschottung der sozialistischen Vision von jeder historischen Erfahrung ist die Bedingung dafür, dass intellektuelle Eliten den Prestige Mehrwert für sich selbst abschöpfen können.[30]
Aaron Bastanis Buch Fully Automated Luxury Communism (2019) ist ein zeitgenössisches Beispiel für die ewige Wiederkehr des sozialistischen Mode Designs, das in jeder Generation Leute produziert, die zum ersten Mal auf diese Idee gekommen sind. Die eigentliche Absurdität seines Textes besteht darin, dass er die real existierende kapitalistische Überflussgesellschaft in seinen automatisierten Luxuskommunismus eins zu eins übernehmen will, aber gleichzeitig behauptet, dass die Mangelerscheinungen, die da und dort immer wieder auftreten das Resultat derselben kapitalistischen Produktionsweise sind, und darum erst durch seine sozialistisch-kommunistische Politik endgültig behoben würden. Was er de facto beschreibt ist die heute schon sichtbare automatisierte kapitalistische Konsumhölle, wie sie zum Beispiel in Science-Fiction Romanen von Frederick Pohl satirisch prognostiziert wurde[31], aber so tun muss, als würden zwei Drittel der Menschheit immer noch in absoluter Armut leben. Es ist die neueste Version von „Es gab noch keinen wirklichen Kommunismus“, weil – und das ist tatsächlich sein Argument – die Technologie zu seiner Realisierung noch nicht vorhanden war, als Marx Das Kapital geschrieben hatte. Bastanis prinzipielle Idee ist, dass die technische Entwicklung nur weit genug fortgeschritten sein muss, um jene Hindernisse zu überwinden, die sozialistische Experimente zuvor an ihrer Realisierung behindert haben.
Die Idee des Progressivismus, dass es eine durchgehend linear aufwärts gehende Tendenz in der Geschichte geben muss, wird bei Bastani bewusstlos vorausgesetzt, weil es darum geht die Klasse an Intellektuellen, die er repräsentiert, zur avant-garde zu erklären, die den Luxuskommunismus leitmotivisch vermarkten soll. Seine Idee der post-scarcity[32] ist vor allem ein bedingungsloser und religiös aufgeladener Glaube an Technologie und technologischen Fortschritt, der sich über alle historische Erfahrung hinwegsetzt. Statt simpler ideologischer Indoktrination, die die proletarischen Adressaten seines Kommunismus nicht mehr erreicht, sollen die Massen durch ein technologisch eskaliertes social engineering manipuliert werden. In Bastanis Buch wird wie bei allen sozialistischen Impulsdurchbrüchen stillschweigend vorausgesetzt, dass der Zustand, der angestrebt wird, nicht nur unaufhaltbar, sondern vor allem wünschenswert ist. Die sozialistischen Intellektuellen sind die Propagandisten eines Patronage Systems, in dem sie als privilegierte Aristokraten eine Masse an Plebejern dauerhaft von sich abhängig machen, denn das Versprechen sich um alle Bedürfnisse der Sprallos zu kümmern ist natürlich Teil des Klientel Vertrags. In WALL-E, einem Meisterwerk der Pixarstudios von 2008, wird der Fully Automated Luxury Communism anschaulich beschrieben, wenn Menschen, nachdem die Erde unbewohnbar geworden ist, in einem Raumschiff Luxuskreuzer „nach 700 Jahren Automatisierung, medialer Dauerberieselung und geringer Gravitation zu fettleibigen, degenerierten Wesen“[33] geworden sind.
War der Kommunismus des vergangenen Jahrhunderts der sichere Weg zu Armut, Not und Massensterben, wird der Kommunismus der Zukunft, den Bastani verspricht, die Gesellschaft der übergewichtigen, passiven und irreversibel widerstandsunfähigen Parteimitglieder sein. Der Überfluss, der aus dem Asteroiden Bergbau geschürft wird und als post-scarcity die technologisch getriebene Vision unbegrenzter Energiegewinnung imaginiert, ist ganz praktisch gesehen das Ende jeder menschlichen Entwicklung, wie sie in WALL-E so treffend karikiert wird. In einem solchen Zustand gibt es schlicht keinen Innovationsdruck mehr, der es notwendig macht, sich gegen Bedrohungen, Mangel und unsichere Zukunftsperspektiven zu wappnen. Während der Fortschritt und die technologischen Innovationen der Vergangenheit Antworten darauf waren, dass Menschen vor harten Entscheidungen standen, die Opfer erforderten, um aus Armut und Elend in den Wohlstand zu kommen, ist Bastanis Luxuskommunismus die absurde Erwartung, dass es keinen Mangel, keine Armut, keine Herausforderungen gibt, aber der technische Fortschritt, der ebenfalls das Ergebnis von hunderttausenden Jahren evolutionären Selektionsdrucks ist, genau so weiter geht wie bisher. Die sozialistische Kritik an kapitalistischen Verhältnissen will darauf hinaus, den Selektionsdruck auszuschalten, weigert sich aber die Konsequenzen, die daraus entstehen, in irgendeiner Weise mitzudenken. Während Übergewicht und nicht Mangelernährung das zentrale Armutsproblem im 21. Jahrhundert geworden ist, träumt der kommunistische Intellektuelle davon zum Patron einer passiven und manipulierbaren Klasse zu werden, deren dauerhafte Abhängigkeit er parasitär ausbeuten kann. Im automatisierten Luxuskommunismus mag es in der Theorie keinen Hunger und keine Not mehr geben, aber dadurch werden auch Innovation, Entwicklung und Selektion ausgeschalten, das heißt all jene Kräfte, die den technologischen, sozialen und ökonomischen Fortschritt zu diesem Punkt hingetrieben haben.
Bastanis Technologieverständnis ist zudem äußerst fragwürdig, weil er offenbar nicht damit rechnet, dass Automatisierung selbst fehleranfällig sein könnte. Er scheint davon auszugehen, dass sich technologische Lösungen von selbst aufdrängen werden, so wie naive Geister annehmen, dass man jedes Problem bloß an die entsprechenden Expertinnen und Experten delegieren muss. Fortschritt erscheint bei ihm, ohne das auch nur ansatzweise wahrzunehmen, als linear aufwärtssteigende historische Tendenz und es ist wirklich nur noch Ironie, dass Bastani ausgerechnet die Tradition linker Technologie und Fortschrittskritik, von Adorno über Kaczynski bis zu Harvey[34] völlig ignoriert, wobei dies sicher nicht das einzige Defizit seiner Theorie ist.
Wenn Bastani Francis Fukuyamas Idee vom Ende der Geschichte kritisiert, die in der Tradition Hegels deklarierte, dass das System bürgerlicher Demokratie die letzte Entwicklung der politischen Systeme sein wird, fällt ihm natürlich nicht auf, dass sein eigener Fully Automated Luxury Communism derselbe Wein in alten Schläuchen ist. Der Sozialismus als Doktrin ist eine spezifische Version des Endes der Geschichte, das sich von seinen angeblichen Widersachern nicht unterscheidet. Zahllose Rezensionen von Fukuyamas The End of History (1992) ärgerten sich seinerzeit darüber, dass dieser eine hegelianisch inspirierte Fassung derselben Idee gegen Marx und den zusammen gebrochenen Sowjetkommunismus wendete und damit dem Geschäftsmodell sozialistischer und progressiver Intellektueller das Wasser abgrub. Sein eigenes Ende der Geschichte imaginiert Bastani darum als Gegenentwurf zu Fukuyama und als optimistische Kritik am Konzept des „capitalist realism“[35], das von Mark Fisher in seinem gleichnamigen Buch geprägt wurde. Fisher, ein weiterer modisch inspirierter Kommunist behauptet, dass der „Neoliberalismus“ die Imagination der Menschen so sehr einschränken würde, dass diese keine Alternativen zum Kapitalismus denken könnten.
Fisher erwähnt übrigens explizit WALL-E als Beispiel für diese angebliche Phantasielosigkeit. Wie Bastani kann auch Fisher den dystopischen Kontext, der ihrem absoluten Vertrauen in technische Machbarkeit innewohnt, nicht einmal ansatzweise denken. Weil es für diese Junk Philosophie nicht vorstellbar ist, dass seine eigenen Projektionen der Zukunft negative Effekte haben könnten, beklagt Fisher dass der Kapitalismus damit auch den Antikapitalismus für sich vereinnahmen würde, indem er eine individuelle Verantwortung für systemische Probleme erzeuge, die sich an der Tendenz ablesen ließe, dass psychische Probleme durch psychopharmazeutische Medikation behandelt würden und nicht etwa durch – die Revolution. Die Selbstsicherheit, mit der die linksradikalen Supermodels angebliche Lösungen für große Probleme präsentieren, ist modischer Zeitgeist, der sich das Makeup ernsthafter Auseinandersetzung aufgetragen hat. Es kann vermutet werden, dass es den relevanten Leuten ganz recht ist, wenn sich die Kinder der Reichen bis zum Midlife als Kommunisten austoben. Der Fashionismus erzeugt Intellektuelle, die sich für Revolutionäre halten, aber tatsächlich Systemerhalter sind, die wie die Klamotten der Models am Laufsteg ein rasches Ablaufdatum haben. Und Bastani, Fisher oder Blakeley sind das Establishment, dessen Ablöse sie angeblich betreiben und ihre Droge ist es, für wichtig und bedeutend gehalten zu werden. Die Fortschrittlichen sind Status Junkies.
6.
Sozialismus ist eine Herrschaftstechnologie.[36] Herrschaft legitimiert sich durch Feinde und Antagonisten, die man im besten Fall selbst erzeugen kann. Um sich als Lösung oder Alternative anbieten zu können, braucht es ein definierbares Gegenüber, das die Bedingung erfüllt so allgemein und abstrakt zu sein, damit es für jedes Übel verantwortlich ist und konkret genug, um es personalisiert bekämpfen zu können. Der Sozialismus, eine werdende oder noch nicht in die Existenz getretene Entität, steht also einer sowohl allgemeinen als auch konkret benennbaren Erscheinung gegenüber, die als „Kapitalismus“ substantivisch den Antagonisten geben muss. Aber wie der Sozialismus, der noch nicht in die Existenz getreten ist, so hat auch der „Kapitalismus“ niemals existiert, weil das Substantiv keine spezifisch ökonomische Systematik beschreiben soll, sondern eine politische Herrschaftsform. Wenn Linke, Progressive und Sozialisten vom „Kapitalismus“ reden, meinen sie eine Form von politisch motivierter Unterdrückung, die, man kann es bei Karl Marx lesen, eine subjektlose Regulierung von unentrinnbaren Zwängen durch eine herrschende Klasse, der Bourgeoisie, ist. Der „Kapitalismus“ ist in dieser Lesart ganz allgemein die perverse Gier nach Reichtum, die Macht des Geldes über die Verhältnisse, und konkret die Unterdrückung durch „Bosse“, Konzerne und das System von Eigentum, Besitz und Rechtstiteln, die jene Unterdrückung legal festschreiben. Der „Kapitalismus“ ist ein Wort, das sich für jede Gelegenheit und jeden Anlass eignet und alles ausdrücken kann, was der, der es benutzt, sagen möchte.[37]
Dass Marx sinnvollerweise, nicht den Begriff „Kapitalismus“ verwendete, sondern mit dem Adjektiv „kapitalistisch“ den „Stoffwechsel mit der Natur“ beschrieb, mit dem menschliche Arbeitskraft Wert und Mehrwert erzeugt, hat weder Marxisten noch Progressive jeder Couleur jemals gestört. Der Sinn sozialistischer Politik ist der Griff nach der Macht, die eine politische Herrschaftsform namens „Kapitalismus“ durch eine antipolitische Utopie namens „Sozialismus“ ersetzen soll. Zigtausende Seiten marxistischer und antikapitalistischer Literatur haben sich an dem Problem abgearbeitet, dass dies nicht gelingen will, weil die Formulierung der Vision sich nicht an der Realität orientiert, sondern die Repräsentation des Bedürfnisses linker Intellektueller nach totaler Herrschaft ist. Was dort eigentlich beklagt wird, ist die Weigerung der Realität sich dem Diktat intellektueller Interventionen unterzuordnen.
Um die Defekte der Theorie auszugleichen, die alle sozialistischen Projekte heimsucht, versteht sich der Sozialismus per definitionem als unkündbarer Vertrag. Die Wurzeln dieses Konzepts liegen im volonté générale, dem „Allgemeinwillen“, wie er von Rousseau im „Gesellschaftsvertrag“ von 1762 als jeder subjektiven Willensbildung vorgängig definiert wurde. Die Gesellschaft ist das Ergebnis eines Vertrags, der die Souveränität des Volkes konstituiert, deren Grundlage der allgemeine Wille ist, aber der allgemeine Wille, der sich in der Souveränität des Volkes äußert, ist bereits das staatliche Gemeinwesen, das erst durch das Inkrafttreten des Vertrag selbst gebildet werden kann.[38]
In der Nachfolge Rousseaus haben sich alle sozialistischen Projekte darauf festgelegt, dass die Mitgliedschaft bei ihrem Verein eine Bringschuld der Individuen ist. Das Versprechen des Sozialismus Freiheit von allen Zwängen zu bringen, wird als Zwang gelebt, die Zwänge von denen befreit werden soll, als widerspruchsfreie Prämissen zu akzeptieren. Das Paradoxe ist nicht, dass eine herrschende Klasse ihren Willen durchsetzen will, sondern dass die Durchsetzung eines gewaltsam erzwungenen Konsenses von den sozialistischen Intellektuellen ständig rationalisiert und als „Emanzipation“ verkauft werden muss.[39]
Wie jede andere Herrschaftstechnologie ist der Sozialismus darauf aus die grundlegenden Konflikte, die jeder Gesellschaft inhärent sind auf irgendeine Weise zu entschärfen oder sogar endgültig zu lösen. Die Idee von Marx und Engels, dass die Geschichte an sich die Geschichte von Klassenkämpfen ist, hat durchaus Substanz, verfängt sich aber in ihren eigenen Unvereinbarkeiten, wenn man in Rechnung stellt, dass der Sozialismus nach seiner eigenen Theorie die endgültige Ordnung ist, die sich mehr oder weniger spontan nach der Auflösung und Zerstörung aller traditionellen Ordnungen zu bilden hat. Der Sozialismus war im eigenen Selbstverständnis immer schon autopoietisch, das heißt, die Theorie geht implizit davon aus, dass sich die gerechte Ordnung selbst induziert, sobald die Revolution erfolgreich ist. Die von Marx und Engels begründete und von fast allen Sozialisten geteilte Idee, dass der Klassenkampf der Motor der Geschichte sei, entsorgt sich also mit der Revolution selbst, weil der Klassenkampf als solcher beendet ist, wenn die Kommunistische Partei regiert.
Es ist natürlich keineswegs falsch, dass der Klassenkampf eine gewichtige Rolle in der Geschichte spielt, obwohl man den explosiven Charakter jeder politischen Struktur auch als Ausdruck der zahlreichen inneren Konflikte menschlicher Natur sehen kann. Aber jede Art von politischer Ordnung tendiert zur Krise, sobald die reproduktiven Kräfte des Gemeinwesens instabil werden.[40]
Seit Hobbes und Machiavelli ist es ein Allgemeinplatz in der politischen Theorie, dass der Bürgerkrieg (oder der „Krieg aller gegen alle“) der Normalfall ist. Kriege und Konflikte sind nicht nur unvermeidbar, sondern natürliche Phänomene, die als evolutionärer Selektionsdruck menschliche Gesellschaften prägen. Gegen diesen Realismus konservativer Geschichtsphilosophie haben sich die Erwartungshaltungen sozialistischer Utopie darauf geeinigt, dass mit dem Erreichen des kommunistischen Paradieses Politik und Geschichte an sich zu Ende sind und sich Fragen nach individueller Freiheit und allgemeiner Emanzipation nicht mehr stellen (dürfen). Wenn Aaron Bastani davon ausgeht, dass technologischer Fortschritt nicht nur sämtliche Ingenieursprobleme löst, sondern auch die menschliche Natur ins Upgrade schickt, wiederholt er nur den gleichen Fehler, den alle sozialistischen Projekte vor ihm gemacht haben und bestätigt damit, was seine ideologische Voraussetzungen bestreiten: dass menschliche Geschichte kein linearer progressiver Trend nach vorne ist, sondern aus zyklischen, sich immer wieder unter veränderten Umständen wiederholenden Situationen besteht. Geschichte ist sowohl gegen Fukuyama als auch gegen seine sozialistischen Gegner, wie es scheint, niemals zu Ende. Und weil das so ist, stellt sich das Problem, was individuelle Freiheit und allgemeine Emanzipation sind, das sozialistische Modelle endgültig zu lösen hofften, immer wieder neu. Es gibt keine verbindliche Definition, was Freiheit und Emanzipation sind oder für wen praktisch bedeuten, also kann die Freiheit sich gegen die Mitgliedschaft im sozialistischen Kombinat zu entscheiden nur ein hässliches Störgeräusch sein, das von den sozialistischen Intellektuellen als wrong-think denunziert werden muss.
Die inhärenten Widersprüche politischer Praxis, die Rousseau mit half aufzudecken, haben ideengeschichtlich dazu beigetragen, dass der Sozialismus dem Begriff der Freiheit selbst sehr feindselig gegenüber eingestellt ist. Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sind immer unvollständig und müssen durch die Intervention der progressiven Armeen in die gewünschte Richtung getrieben werden, aber das Versprechen der Freiheit, das sozialistische Politik aus Propagandagründen machen muss, weicht notwendigerweise dem Konformitätsdruck. Unter linker Hegemonie sind soziale Medien zu Treibern der Elitenbildung geworden, die das Bedürfnis nach Beliebtheit, Anerkennung, sozialen Status und moralischer Grundsicherung instrumentalisieren und als modische Accessoires bewerben. Das naheliegende Ziel ist die Eroberung der Macht und die Verschleierung der eigenen Herrschaft durch intellektuelle und ideologische Hütchenspiele, aber die sozialistische Praxis ist vor allem die Rationalisierung der eigenen Gewalt. Die Floskel, dass es „noch keinen wirklichen Kommunismus“ gegeben hätte ist die auf Selbstbildern beruhende Verdrängung dieser Gewalt, die sich nicht in die Projektion der hohen ethischen Ideale integrieren lässt.
Das Versprechen sozialistischer Politik ist daher eine ganz bestimmte Art von Freiheit: Freiheit von ökonomischen Zwängen und damit die Freiheit vor den Folgen eigener Verantwortung, die man einem bürokratischen Leviathan übergeben will. Die individuelle Freiheit ist in erster Linie ein Problem der Theorie selbst, wenn man an die Definition des bpb denkt, in der vor der „(…) einseitige[n] Überhöhung individueller Freiheitsrechte (…)“ gewarnt wird. Aber während häufig von universaler Gleichheit die Rede ist, gibt es aus sozialistischer (und jeder anderen) Perspektive keinen Anspruch auf universale Freiheit. Freiheit ist kein universal anwendbarer Begriff. Ebenso wie die Gleichheit ist Freiheit relativ. Freiheit muss in Bezug auf etwas gesetzt sein, das sie begrenzt. Was sozialistische Ideologie bei der Gleichheit versucht hat, sie unendlich auszudehnen, scheitert beim Freiheitsbegriff, weil jeder menschlichen Erfahrung die Grenzen der eigenen Handlungsfähigkeit sofort offenbar wird. Anders gesprochen: es gibt keine grenzenlose Freiheit, keinen absoluten Anspruch darauf, sondern es gibt Freiheitsgrade. Während die Gleichheit durch eine höhere Instanz deklariert werden muss, ist Freiheit etwas, das individuell erarbeitet werden kann. Niemand ist an sich frei, aber man kann durch eigenes Bemühen freier werden und die eigenen Handlungsspielräume erweitern. Das Erleben von persönlicher Handlungsfähigkeit ist ein Prozess des Lernens, eine ständige Verbesserung des eigenen Vermögens in dieser Welt zu existieren. Freiheit erfordert Raum und Frustrationstoleranz. Freiheit ist die Freiheit zu scheitern, und nicht vor den Folgen eigener Verantwortung bewahrt zu werden. Im Sozialismus ist – mit Hegel gesprochen – Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit, ohne dazu zu sagen, welche Notwendigkeit damit gemeint ist und wer das wie durchsetzt. Die Notwendigkeit, die Hegel meinte, sind schlichte Sachzwänge der Realität, die stoische Gleichgültigkeit gegenüber dem, was nicht zu ändern ist, aber durch eine marxistische Brille gesehen, ist die Freiheit, die der Sozialismus im Sinn hat, die Einsicht in die von ihm selbst konstruierten Zwänge und Mauern, deren Rationalität man nicht anzweifeln darf, will man nicht des Verbrechens angeklagt werden, zu denken, es gebe Menschen, die weniger wichtig sind als andere.
7.
Der Sozialismus ist in gewisser Weise unvermeidbar. Er gehört zu den grundlegenden Impulsen, die sich äußern müssen, wenn eine bestimmte Konstellation politischer Herrschaft an der Macht ist, die auf einer stabilen Ordnung und festgelegten Hierarchien beruht. Während die sozialistische Kritik kapitalistischer Verhältnisse immer mit der Forderung nach einer Abschaffung der letzteren einhergeht, muss eine an der Geschichte orientierte Kritik des Sozialismus darauf verzichten das Phänomen an sich loszuwerden. Genau so wenig, wie man den „Kapitalismus“ abschaffen kann, ist auch die Entsorgung des sozialistischen Paradigmas für sich gesehen möglich, geschweige denn wünschenswert. Die politischen Energien, die im Sozialismus gebunden werden, verschwinden nicht, wenn man ihn für verboten oder illegitim erklärt. Sozialistische Impulse sind ein Bestandteil der menschlichen Natur, auch wenn der Sozialismus als Ideologie paradoxerweise die Wirkungsmächtigkeit der menschlichen Natur an sich bestreitet, um sie stattdessen einem Regime des social engineering zu unterwerfen. Aber der (fruchtlose) Kampf gegen die menschliche Natur ist ebenfalls ein Teil der menschlichen Natur. In jeder stabilen Ordnung gibt es Hierarchien, die auf die eine oder andere Weise Konflikte produzieren, in der die Verhältnisse als ungerecht empfunden werden und sich als Störungen, Risse und Diskontinuitäten im System selbst äußern. Das besondere Element des sozialistischen Aufbegehrens gegen die Ungerechtigkeit stabiler Ordnungen ist daher nicht die Rebellion an sich, diese ist schließlich überall in der Geschichte sichtbar. Es ist vielmehr das Auftauchen eines bestimmten Typs von Revolutionär, den James Billington in Fire in the Minds of Men (1980) so beschrieben hat:
„The revolutionary tradition can be seen as a form of political-ideological opposition that arose first against authoritarian Catholicism (in France, Italy, and Poland) and then against other religiously based autocracies (in Lutheran Prussia, Orthodox Russia). The most dedicated and professional social revolutionaries – from Marechal through Blanqui, Marx, and Bakunin to Lenin – came from such societies and tended to become that rarest of all forms of true believer: a militant atheist.“
Die Psychopathologie[41] von Revolutionären wurde von Dostojewski in „Die Dämonen“ (1873) in visionärer Weise zum ersten Mal ausführlicher beschrieben.[42] Seine Hauptfigur, Pjotr Werchowenskij ist ein junger Intellektueller und politischer Verschwörer. Er versteht sich als Sozialrevolutionär und arbeitet im Geheimen daran, eine radikale, zerstörerische Bewegung aufzubauen, die auf der Zerschlagung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung basiert. Als Organisator eines künftigen politischen Umsturzes, der ihm Macht und Kontrolle verschaffen soll, manipuliert Werchowenskij die Schwächen, Ideale und inneren Konflikte der Menschen um ihn herum. Er schreckt vor Mord nicht zurück, um seine Ziele zu erreichen, die wenig mit den von ihm propagierten Parolen zu tun haben und bleibt innerlich unberührt von den Ereignissen, die er in Gang setzt. Moralische Bedenken sind ihm völlig fremd, er ist unempfänglich für emotionale Bindungen und hat hauptsächlich Charakterzüge, die man heutzutage dem Typus des Psychopathen zuschreibt.
Die tatsächliche Realität revolutionärer Umtriebe ist jedoch wesentlich trivialer, als Dostojewski seiner Figur großzügigerweise zugestand. Der typische Revolutionär ist eher selten ein Psychopath, sondern ein Mensch, der diese Bemerkung von Gilles Deleuze in „Das Zeit-Bild“ (1989) verinnerlicht hat: „Das Unerträgliche ist nicht mehr eine höhere Ungerechtigkeit, sondern der permanente Zustand der alltäglichen Banalität.“
Die meisten Revolutionäre sind psychologisch betrachtet eher Narzissten als Psychopathen. Sie sind weit weniger an der Ungerechtigkeit interessiert, als vielmehr von der alltäglichen Banalität gelangweilt und darum bemüht einem normalen Leben zu entfliehen. Ihre Motivation ist eher erotisch als politisch. Es muss aufregend sein und ums Ganze gehen, die Emotionen in Aufruhr versetzen, und das Bedürfnis des Revolutionärs erfüllen im Mittelpunkt des Geschehens und der Aufmerksamkeit zu stehen. Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? Revolutionen müssen, um das Feuer ihrer Umstürze zu entfachen, eschatologische Elemente enthalten: Die Welt wird untergehen, wenn die Revolutionäre nicht erfolgreich sind und ihren Willen durchsetzen können.
Aber Revolutionäre sind vor allem Patrizier. Ihr Engagement für die Entrechteten ist Veranlagung ihres sozialen Kapitals, mit dem sie in die ödipalen und pseudoödipalen Konflikte ihres eigenen aristokratischen Milieus intervenieren. Proletarier werden weitaus seltener Revolutionäre und sie spielen gerade in sozialistischer Politik eine weitaus geringere Rolle, als man gemeinhin annimmt. Wenn sie wie Wilhelm Weitling (1808-1871), ein Schneidergeselle aus armen Verhältnissen, intellektuellen Einfluss ausübten, wurden sie von Leuten aus gutbürgerlichen Milieus, wie Karl Marx und Friedrich Engels, überholt, die Weitlings Bund der Gerechten 1847 in den Bund der Kommunisten umbenannten. Wenn Subalterne zu Führern der Arbeiterbewegung wurden, wie etwa Karl Lueger (1844 – 1910), der als Mitbegründer des Wahlbündnisses „Vereinigte Linke“ heute vor allem für seinen Antisemitismus bekannt ist[43], hatten sie zumeist Talente, mit denen sie Förderer und Mentoren aus den Eliten auf sich aufmerksam machten. Proletarische Bewegungen haben in aller Regel keine proletarischen Führer. Selbst die äußerst klassenbewussten italienischen Anarchisten folgten mit Errico Malatesta einem Mann aus reichem Haus. Lenin und Trotzki waren beide Intellektuelle mit festem bürgerlichem Hintergrund, die dem Mann aus armen Verhältnissen, Stalin, den Weg zur Macht ebneten, obwohl dies mehr ein Zufall gewesen sein muss, denn Lenin soll ja angeblich in seinen letzten Stellungnahmen davon abgeraten haben, Stalin zum Generalsekretär der KPdSU zu machen.[44]
Der ebenfalls aus einfachen Verhältnissen stammende Benito Mussolini, der 1914 aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen wurde, begründete die faschistische Bewegung als Fusion linker und rechter Prinzipien. Das Programm der Faschisten war zum einen der Vorrang der faustischen Tat vor dem Logos (Handeln statt Reden!)[45], zum anderen die Idee einer Vereinigung sich wechselseitig ausschließender politischer Ideologien. Die Erfahrungen des Weltkriegs, der zum Zusammenbruch instabiler Staaten und Reiche in ganz Europa geführt hatte, wurde von ganz verschiedenen Strömungen als Auftrag interpretiert, die Krise des von Klassenkämpfen erschütterten Nationalstaats durch eine neue Gesellschaft zu ersetzen. Mussolini misstraute den Kommunisten und stand der Russischen Revolution feindselig gegenüber. Er war der erste Politiker des 20. Jahrhunderts, der ganz bewusst darauf verzichtete, seine Ambitionen für Patrizier und Intellektuelle attraktiv zu machen. (Handeln statt Reden!) Seine wichtigsten Handlanger und Anhänger waren zunächst die Verlierer, die Kriegsveteranen, die Arbeitslosen, die Verbrecher und die Enttäuschten.[46] Erst später sollten die Intellektuellen, die Adeligen, die Großgrundbesitzer und Kapitalisten dazu stoßen. Die Organisation der proletarischen Massen durch einen korporatistischen Etatismus sollte den Klassenkampf beenden und die Arbeiterklasse in das Ordnungsdenken konservativer Hierarchien integrieren, während zur gleichen Zeit in der Gedankenwelt der Futuristen der Fortschritt der Technik mit dem Stillstand einer vom Klassenkampf befreiten gesellschaftlichen Struktur verknüpft werden sollte. Figuren, wie Franco, Horthy oder Salazar, waren darum Diktatoren, aber keine Faschisten, zumindest wenn das Wort irgendetwas Sinnvolles bedeuten und nicht nur eine metaphysische Qualifikation für „das Böse“ sein soll. Der Personenkult, den Mussolini um sich entfaltete beeindruckte Hitler und Stalin gleichermaßen und findet sich später sowohl in der KPdSU als auch der NSDAP wieder. Der Faschismus, den Mussolini im Sinn hatte war die Vereinigung von Nationalismus und Sozialismus, und eine Fusion beider Elemente haben in unterschiedlichen Gewichtungen auch in Nazi Deutschland und der Sowjetunion eine Rolle gespielt. Der Totalitarismus, wie ihn Hannah Arendt beschrieben hat, war nicht nur eine neue Form der Machtausübung, sondern auch der Versuch die widerstreitenden Pole, die die wesentlichen Konflikte des 19. Jahrhunderts hinterlassen hatte, also den proletarischen Klassenkampf und die konservative Restauration, unter ein gemeinsames Regime zu bringen. Der Versuch selbst hat die schlimmste und furchtbarste Gewalt der bekannten menschlichen Geschichte verursacht, die mit dem Holocaust und den Gulags stellvertretend für die Realität der gesellschaftspolitischen Utopien steht, die politische Revolutionäre aller Art propagiert haben.
Die frühe NSDAP, die von Anton Drechsler[47] gegründet wurde und Leute wie Hitler anzog, war eine weitgehend proletarische Bewegung. Es waren Leute aus einfachen Verhältnissen, die meisten Weltkriegsveteranen aus den unteren Schichten, manche aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Es gab zu Beginn keine Intellektuellen, Adeligen oder bürgerlich-progressiven Mitglieder, weil es solche Leute eher zur Kommunistischen Partei trieb. Wie bei Mussolini stießen die Eliten später dazu, und erst mit dem Erfolg in den chaotischen Wirren der Weimarer Republik konnte die NSDAP Patrizier und Intellektuelle für sich gewinnen. Kurz gesagt war der wichtigste Unterschied zwischen Nazis und Kommunisten, dass Kommunisten Patrizier sind, die eine plebejische Ideologie verfolgen, während Nazis Plebejer waren, die einem Gesellschaftsmodell von Patriziern anhingen. Der Faschismus ist also vor allem die Herrschaft des Pöbels, der von den gebildeten Patriziern verachtet wird, solange er ihnen keine Möglichkeiten anbieten kann, ihr soziales Kapital zu veranlagen. Der Sozialismus der National-Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei war zum einen die Abgrenzung zur kommunistischen Linken, die mit dem antisemitischen Ressentiment eines internationalen – also jüdischen – Sozialismus verknüpft wurde, aber entsprach andererseits der Realität, dass Nazis und Kommunisten um das gleiche Publikum warben. Das Parteiprogramm von 1920[48] forderte die „Einziehung der Kriegsgewinne“ (Punkt 12), die Verstaatlichung der Trusts (Punkt 13), eine Gewinnbeteiligung an Großbetrieben (Punkt 14), einen Ausbau der Altersversorgung (Punkt 15), Kommunalisierung der großen Warenhäuser zugunsten kleiner Gewerbetreibender, die bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen besonders zu berücksichtigen seien (Punkt 16) und eine Bodenreform, die die Möglichkeit schaffen sollte, Boden für gemeinnützige Zwecke entschädigungslos zu enteignen (Punkt 17). Das „Sozialistische“ am Nationalsozialismus war also nicht bloß Tarnung, wie Linke gerne behaupten, sondern direkte Konsequenz des Egalitarismus der Volksgemeinschaft, die in Anlehnung an den italienischen Faschismus die Vereinigung von Klassenkampf und Reaktion vertikal organisieren sollte. Im selben Parteiprogramm werden die Juden und Nicht-Deutschen kategorisch ausgegrenzt, aber die Gleichheit aller Volksgenossen propagiert: „Alle Staatsbürger müssen gleiche Rechte und Pflichten besitzen.“ (Punkt 9). Die Gewalt des Nationalsozialismus kam aus der Eskalation der Gleichheit, die alle Volksgenossen verbindet und den Radius, der die Gleichheit von der Ungleichheit trennt, wie der kommunistische Sozialismus, als Terrorregime expandiert.
Die Kurzlebigkeit des italienischen Faschismus und des Nationalsozialismus liegt also vor allem an der Wahnsinnigkeit das Nicht-Identische in die Singularität pressen zu wollen. Die exorbitant genozidale Gewalttätigkeit des Nazi Regimes hat jedoch keine Entsprechung im Mussolini Faschismus, sondern spiegelt sich viel eher in den Massenmorden der sowjetischen Terrorherrschaft wider. Faschismus und Sozialismus sind in dieser Hinsicht Zwillinge, die beide auf unterschiedliche Weise das Konzentrationslager und die Zwangsarbeit zum zentralen Bestandteil ihrer Vernichtungspolitik gemacht haben. Beide Regime sind völlig unterschiedlich was ihre Strukturen, Ziele, Gesellschaftsmodelle, Feindbilder und politischen Mechanismen betrifft, aber beide haben die Organisation des Massenmords in neue, unvorstellbare Dimensionen getrieben. Aber während es für die zwölfjährige Schreckensherrschaft der Nazis und ihrer Vernichtungslager wenigstens eine Erinnerungskultur gibt, steht die Aufarbeitung der kommunistischen Sozialismen und ihres Terrors immer noch aus. Sozialistische Ideologie, die den Terror ermöglicht und rationalisiert hat, ist ein Teil des politischen Spektrums in den modernen Demokratien, die überall wo sie zur Macht kommt, versucht ihre Gegner und Konkurrenten zu delegitimieren und auszuschalten. Die Monopolisierung der Demokratie ist fester Bestandteil dieser Programme und Parteien und sie hat sich aus vielen historischen Gründen als „Antifaschismus“ eine Lizenz dafür erkauft, Dissens und Kritik an ihr zu kriminalisieren.
Stalin, Mao, Enver Hoxha oder Pol Pot haben zwar nicht mehr den besten Ruf, aber akademisch gebildete Milieus (oder solche, die sich dafür halten), können sich immer noch den radical chic leisten, die ideologische Nähe zum kommunistischen Terror mit dem Segen des Establishments als politische Simulation zu inszenieren.
Eine fundamentale Zurückweisung des Sozialismus müsste hier beginnen.
[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Whig_history
[2] https://www.hetwebsite.net/het/profiles/djharris.htm bzw https://tinyurl.com/32ccu6ky
[3] siehe: https://www.tabletmag.com/sections/arts-letters/articles/public-confessions
[4] Siehe: Georg Adler, Geschichte des Sozialismus und Kommunismus. Von Plato bis zur Französischen Revolution (1899) bzw. Igor Schafarewitsch, Der Todestrieb in der Geschichte (1980)
[5] In Kurt Vonneguts satirischer Kurzgeschichte „Harrison Bergeron“ (1961) wird die Gleichheit zueinander auf eine satirische Spitze getrieben. Alle Unterschiede müssen normiert werden, darum tragen schöne Menschen entstellende Masken, starke Menschen große Gewichte und klügere Menschen werden durch akustische Signale vom Denken abgehalten. Siehe: https://www.tnellen.com/cybereng/harrison.html
[6] Siehe: René Girard, Das Heilige und die Gewalt (1972)
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Infanticide
[8] https://www.lightspeedmagazine.com/fiction/the-ones-who-stay-and-fight/
[9] https://shsdavisapes.pbworks.com/f/Omelas.pdf
[10] https://independentleft.ie/was-ursula-le-guin-a-socialist/
[11] https://www.lightspeedmagazine.com/fiction/the-ones-who-stay-and-fight/
[12] Ebd.
[13] Ebd.
[14] Ebd.
[15] https://www.theparisreview.org/blog/2018/12/03/a-true-utopia-an-interview-with-n-k-jemisin/
[16]https://editionf.com/politik-gesellschaft/flinta-weiblich-gelesen-frauen-inklusiv-denken-statt-nur-inklusiv-sprechen/
https://editionf.com/politik-gesellschaft/
https://www.elle.de/female-empowerment-sexismus-buch-bullshit-bingo
https://theinclusionsolution.me/the-buzz-10-reasons-why-i-am-proud-to-be-woke
https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/wie-mit-sozialismus-politik-machen/
Klicke, um auf marietrifft_012021.pdf zuzugreifen
[17] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18235/sozialismus/
[18] Siehe: James Billington, Fire in the minds of men (1980) bzw. https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilien_de_Robespierre
[19] https://www.streifzuege.org/kategorien/transformation/
[20] Siehe: https://dieweltohneuns.wordpress.com/2023/08/01/waren-marx-und-engels-heute-anti-imperialisten-oder-anti-deutsche-uberlegungen-zu-einer-unentschiedenen-frage/
[21] https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/kontrovers/kontrovers-0801.pdf
[22] Siehe:
https://www.spiegel.de/geschichte/adel-in-der-ddr-a-948377.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Errico_Malatesta
https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_de_Saint-Simon
https://de.wikipedia.org/wiki/Tony_Benn
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Strachey_(Politiker)
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Eduard_von_Schnitzler
https://de.wikipedia.org/wiki/Jenny_Marx
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandra_Michailowna_Kollontai
https://de.wikipedia.org/wiki/Wera_Iwanowna_Sassulitsch
https://de.wikipedia.org/wiki/Che_Guevara
https://de.wikipedia.org/wiki/Giangiacomo_Feltrinelli
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Wimmer
https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Lassalle
[23] http://www.infopartisan.net/archive/maowerke/Mao_Worte_des_Vorsitzenden.htm
[24] Siehe: https://www.suhrkamp.de/buch/kristen-r-ghodsee-warum-frauen-im-sozialismus-besseren-sex-haben-t-9783518075142 bzw. https://www.welt.de/politik/deutschland/article255772520/Jette-Nietzard-Die-neue-Aera-des-Feminismus-fordert-Orgasmen-Spott-ueber-Gruene-Jugend-Chefin.html
[25] James Billington schreibt: „If traditional religion is to be described as ‘the opium of the people‘, the new revolutionary faith might well be called the amphetamine of the intellectuals.“ (Fire in the Minds of Men)
[26] https://www.vogue.de/artikel/die-geschuetzten-maenner-kinofilm-bibiana-beglau-irene-von-alberti-interview
https://www.elle.de/female-empowerment
https://www.glamour.de/artikel/handmaids-tale-staffel-6
https://www.vogue.de/artikel/coverinterview-emilia-schuele-patriarchat
https://www.elle.de/female-empowerment-frauenstreik-island
https://www.teenvogue.com/story/who-is-karl-marx
https://www.teenvogue.com/story/what-is-democratic-socialism
https://www.teenvogue.com/story/what-is-class-solidarity
https://www.glamour.de/artikel/female-rage
https://www.elle.de/lifestyle-female-empowerment-feminismus-buch-frauen-und-revolution
[27] Siehe: https://new.hurryupharry.net/2023/05/02/wokeness-a-research-program-for-the-uninterested-observer/
[28] Siehe: Thomas Sowell, Intellectuals and Society (2009)
[29] https://www.streifzuege.org/kategorien/transformation/
[30] https://politischeoekonomie.com/bruno-leipold-karl-marx-zentraler-politischer-gedanke-war-freiheit/ Der Autor Bruno Leipold, der „schwerpunktmäßig zu Karl Marx, der republikanischen politischen Tradition und Theorien der Volksdemokratie“ arbeitet, veröffentlicht sein Buch „Citizen Marx“ im Verlag Princeton University Press. Mehr Prestige geht eigentlich nicht.
[31] Siehe: https://thesinisterscience.com/2021/01/11/frederik-pohls-mass-consumer-1-the-midas-plague/ bzw. https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1469540520944228
[32] https://en.wikipedia.org/wiki/Post-scarcity
[33] https://de.wikipedia.org/wiki/WALL%C2%B7E_%E2%80%93_Der_Letzte_r%C3%A4umt_die_Erde_auf
[34] https://digitalcommons.macalester.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1411&context=macintl
[35] Siehe: Mark Fisher, Capitalist Realism (2009)
[36] Siehe: https://newcriterion.com/article/leninthink/
[37] https://quillette.com/2025/04/10/marxism-the-idea-that-refuses-to-die/
[38] Siehe: Louis Althusser, Machiavelli Montesquieu Rousseau (1987)
[39] Siehe: https://exxpress.at/politik/unverhohlene-stalin-verehrung-heinzlmaier-kritisiert-babler-buch/
[40] https://singjupost.com/transcript-the-most-important-talk-on-the-demographic-crisis-you-will-ever-hear-stephen-shaw/
[41] Siehe: https://www.tabletmag.com/sections/history/articles/anna-geifman-russian-revolution bzw. https://www.tabletmag.com/sections/history/articles/russian-terrorists-and-their-alies
[42] https://www.gutenberg.org/files/61906/61906-h/61906-h.htm
[43] https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Karl_Lueger
[44] Siehe: Stephen Kotkin, Stalin, Vol. I: Paradoxes of Power, 1878-1928 (2015)
[45] Siehe: Antonio Scurati, M. Der Sohn des Jahrhunderts (2020)
[46] Scurati lässt Mussolini ganz zu Beginn im inneren Monolog sagen: „Mit diesem Ausschuss – mit dieser menschlichen Schlacke – wird Geschichte gemacht.“ (Ebd.)
[47] https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Drexler
[48] https://de.wikipedia.org/wiki/25-Punkte-Programm