Archiv
Postmodernde Zeiten. Über die demokratische Illusion
The name Harvard may impress everyone around here, but to an American it only means one thing: Decline!
Lenny in “The Young Pope”
Geschichte schreibt der Erfahrene und Überlegene. Wer nicht einiges größer und höher erlebt hat als alle, wird auch nichts Großes und Hohes aus der Vergangenheit zu deuten wissen. Der Spruch der Vergangenheit ist immer ein Orakelspruch: nur als Baumeister der Zukunft, als Wissende der Gegenwart werdet ihr ihn verstehn.
Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben
Geschichte, so heißt es in einem Song der Punkband Fehlfarben aus dem Jahre 1982, wird gemacht. Es geht voran. Aber was, wenn nicht? Die Auffassung, dass Geschichte linear fortschreitet ist die dominierende Ideologie der progressives, aber sie wird durch den mehr oder weniger offensichtlichen kulturellen Stillstand in dem sich unsere Epoche befindet konterkariert. Unter postmodernen Verhältnissen geht Geschichte nicht voran, sondern sie versucht sich selbst zu kopieren. Der konstruktivistische Zugang hat sich in eine banale Kultur verwandelt, in der die verachtete und verhasste historische Realität für die Projektion eigener Konflikte verwendet wird, weil man weder Vergangenheit noch Zukunft denken kann. Unsere diagnostischen Möglichkeiten können nicht viel mehr feststellen, als die simple Tatsache, dass eben nichts voran geht, sondern alles in Feedback Schleifen reinszeniert wird. Geschichte wird nicht gemacht, sondern auf Greatest Hits Tourneen aufgeführt. Es ist eine Ära des kulturellen Niedergangs, der von den progressives als politischer Kampf gegen die Vorstellung geführt wird, dass Geschichte selbst noch einen Nutzen haben könnte. Die Vergangenheit ist keine Ressource mehr, sondern eine Bühne auf der die Konflikte von heute das gestern in Geiselhaft nehmen. Und es sind keine Baumeister der Zukunft anwesend.